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Schwimmen mit Belugas in Manitoba

Churchill, die Hauptstadt der Eisbären, hat eine weitere Attraktion. Auch ein Säugetier, auch weiß, auch selten. Belugas. Das Beste: Man kann mit den Weißwalen auf Schnorcheltour gehen.

Der Moment ist da. Der Zeitpunkt, von dem ich schon oft geträumt habe. Abtauchen in Churchill.  Und wie es sich mit dem Schnorcheln so verhält, hatte ich ganz klar Sonnenschein und blauen Himmel vor Augen. Sowie ein Lächeln auf meinen Lippen und ein Glänzen in den Augen. Nur dass dies niemand sieht, schließlich trage ich Sonnenbrille.

Eisige Temperaturen

Doch weit gefehlt. Bootsführer Dennis ist dick eingepackt mit Mütze und Schal, und auch ich hatte am Morgen überlegt, ob ich mir eine Daunenjacke überstreife. Eine Daunenjacke im Juni! Um es ab absurdum zu führen: eine Daunenjacke vor einem Schnorchelausflug im Juni.

Aber wir sind immerhin in der Subarktis, und das Wetter hat sich in Grau gehüllt. Die Sonne versteckt sich hinter dicken Wolken, die sich hoffentlich nicht in den nächsten Stunden ausweinen. Aber auch das habe ich komplett in dem Moment verdrängt, in dem ich mich in den »arktischen Neopren-Anzug« quetsche. Wie eine schwarze Wurst hocke ich auf dem Schlauchboot . Mir wird mulmig. In diese grüne Brühe soll ich hineinhüpfen? Mich nur an einem Seil festhalten und mich ziehen lassen?

Churchill Nature Tours/Mike Marci
Churchill Nature Tours/Mike Marci

Was machen die weißen Wale in Churchill?

Aber wer hat schon die Chance, mit Belugas zu schnorcheln?  Und da kommen sie schon neugierig herangeschwommen, während wir langsam den Churchill River hinauftuckern. Der Fluß, der in die Hudson Bay mündet, an der sich auch zahlreiche Eisbären tummeln, ist im Sommer der Rückzugsort der Weißwale. Zu Tausenden schwimmen sie hierher, um ihre Jungen in den wärmeren Gewässern zu gebären. Wärmer? Dass ich nicht lache! Ein paar Grad über den Gefrierpunkt soll das Wasser haben. Ach, ich möchte es auch nicht so genau wissen.

Die Kleinen sind noch grau; sie werden erst nach fünf Jahren das Schneeweiß ihrer Eltern annehmen. Sie schwimmen neugierig ums Boot. Schon ulkig, wie sie mit ihrem knubbeligen Kopf aussehen und uns neugierig mustern. Dass der Beluga in der Lage ist, seinen Gesichtsausdruck zu ändern, wusste ich bisher nicht. Ganz anders als der ewig grinsende Delfin, kann er tatsächlich seine Mundwinkel heben und senken. Diese Mimik ist allerdings kein Zeichen für Freude oder Traurigkeit, sagt die Wissenschaft. Aber wer weiß das schon so genau? Ich bilde mir gern ein, dass mich das intelligente Wesen anlächelt.

The Great Canadian Travel Company/Robert Taylor
The Great Canadian Travel Company/Robert Taylor

Auf Tuchfühlung mit den Belugas

Spätestens jetzt möchte ich ganz bestimmt in die eiskalten, ruhigen Fluten springen. Also Flossen zuerst und hinein ins Nass. Man könnte fast meinen, die weißen Wale können schlecht hören, denn der Schreck über das kalte Wasser, welches sich den Weg in meinen Anzug gesucht hat und mir nun frostig  den Rücken hinabläuft, ist laut und schrill. Ich entschuldige mich und versuche, mich zu konzentrieren. Schnorchel in den Mund, Maske auf und runter mit dem Kopf.

Ich brauche einige Minuten, um meine Panik zu überwinden. Immer wieder muss ich neu starten, um weder Wasser zu schlucken, noch Wasser in der Maske zu sammeln. Aufgeregt wie eine Anfängerin zappele ich im Fluss herum – zur Belustigung der Wale, die sich sehr nah herantrauen, um der deutschen Dame in Wurstpelle beim Abtauchversuch zuzusehen.

Fast meine ich, in ihren Augen Freundlichkeit – nein, Herzlichkeit zu sehen. Witzigerweise haben sie auch flexible Nackenmuskeln und können den Kopf drehen. Dieser Eindruck vom freundlichen Wal unterstreicht nur meinen Eindruck, dass schön friedlich hier im dunklen Nass ist.

Meine Hand, eingehüllt in Handschuhen, nimmt das Seil und lässt sich ziehen. Zig Belugas sind zu sehen. Auch wenn die Sicht nicht so klar ist, wie man es sich erhofft, sind die weißen Wesen überall. Ein Naturschauspiel, das einem Tränen in die Augen treibt. Meine Gedanken kreisen darum, wie einzigartig dieses stille Erlebnis ist. Ich vergesse die Kälte und meine Bedenken (können Belugas eigentlich beißen?) und genieße den Moment, in dem ich die Tiere bewegungslos beobachten kann.

CTC
CTC

Ihr echolot macht sich ein Bild von mir

Wie die meisten Wale in arktischen Gewässern hat auch der Beluga keine Rückenflosse. Der simple Grund dafür ist, dass sie beim Auftauchen im Eis stören würde. Er schwimmt mit Echolot. Dabei senden die Tiere Schallwellen aus, die von der Umgebung reflektiert werden. Wenn das Echo wieder aufgenommen wird, zeichnet das Gehirn ein Bild der Umgebung. Ein cleveres System, insbesondere in dunklen Gewässern.

Ich weiß nicht, ob ich mit offenen Mund gestarrt habe, auf jeden Fall reißt mich ein kräftiger Schluck Churchill-Wasser aus den Gedanken und gleichzeitig aus dem Rhythmus. Ich habe nicht einmal registriert, dass mein gesamter  Bewegungsapparat eingefroren ist. Die Hände wollen nicht mehr so richtig und mir ist, als könnte ich im Gesicht nichts mehr spüren. Gefrierbrand im Wasser, wie der Rosenkohl in der Tiefkühltruhe? Wie ein nasser Sack zieht mich Dennis auf das Boot. Ich bin benommen: einerseits von der Kälte, andererseits von dem fantastischen Erlebnis.

Denn was bleibt, ist die Erinnerung. Die fröhlichen Melonenköpfe, die mich neugierig anstarrten. Die Möglichkeit, dieses Naturschauspiel live erlebt zu haben. Dreidimensional. Das kann ich nur jedem ans Herz legen. Es ist wirklich unvergesslich. Es hat sich gelohnt, die Angst zu überwinden und die Kälte Manitobas zu ertragen.

Dieses einzigartige Reiseerlebnis ist bei CANUSA buchbar. Nähere Informationen zu Preisen und Reisezeiten findet ihr hier.

Mehr Informationen zu Churchill.

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