Skyline Toronto in der Sonne. Warren Wong / Unsplash.com

Gebrauchsanweisung für Toronto: So wirst du (fast) zum Local

Hand aufs Herz: Wir lieben Toronto. Aber die größte Stadt Kanadas hat ihr eigenes Tempo und ein paar ungeschriebene Gesetze, die in keinem offiziellen Reiseführer stehen. Damit du zwischen CN Tower und Queen West nicht wie der erste Mensch im Wald stehst, haben wir hier das Update für dein Toronto-Überlebenspaket. Spoiler: Es beginnt schon bei der Aussprache.

1. Lektion Eins: Sag niemals „To-ron-to“

Wenn du das zweite „T“ am Ende hart aussprichst, hast du dich sofort als Tourist geoutet. Die Einheimischen verschlucken es einfach. Es klingt eher wie „Torono“ oder, wenn du es eilig hast, fast wie „Trahno“. Üb es am besten schon mal vor dem Spiegel, während du dir einen Ahornsirup-Kaffee einschenkst.

2. Streetcars & Subway: Der TTC-Überlebenskampf

Streetcar fährt über die Straße in Toronto.
Gabriel Tovar / Unsplash.com

Was Toronto so besonders macht, sind die Streetcars. Schon am 15. August 1892 rollte die erste elektrifizierte Straßenbahn durch die Stadt. Seitdem sind die Routen zwar weniger, die Wagen dafür aber umso moderner geworden (dieser Link führt zur Website TTC, der Verkehrsbetrieb Torontos). Die Regeln, die in der Subway gelten, greifen auch hier:

Der Fluchtweg: Stell dich beim Einsteigen immer an die Seite der Türen. Lass die Leute erst raus – ich verspreche dir, die Bahn fährt nicht ohne dich weg.

Kein DJ-Pult: Niemand will deine Musik laut hören. Kopfhörer auf oder Stille genießen.

Innenraum der Subway in Toronto.
Ashwini Chaudhary (Monty) / Unsplash.com

Die Taschenregel: Dein Rucksack braucht keinen eigenen Sitzplatz (ich gebe zu, ich war da auch schon mal schuldig!). Wenn es voll wird, gehört die Tasche auf den Schoß.

Ritterlichkeit: Den Sitzplatz für jemanden räumen, der ihn dringender braucht? In Toronto Ehrensache.

Die Rolltreppen-Autobahn: Auf dem Weg zur Bahn gilt: Rechts stehen, links gehen. Wer links steht und die Aussicht genießt, bringt den gesamten Berufsverkehr zum Erliegen. Nichts treibt die Einheimischen mehr in den Wahnsinn!

3. Hockey: Eine Liebesgeschichte voller Schmerz

Das ist ein sensibles Thema – es sei denn, du bist Fan der Montreal Canadiens. Die Loyalität der Toronto-Maple-Leafs-Fans ist absolut absurd und in der gesamten NHL bekannt (mit diesem Link lässt sich die Website der Toronto Maple Leafs finden). Das Team hat den Stanley Cup seit 1967 nicht mehr gewonnen (die längste Durststrecke der Liga!).

Hockeytrikot der Toronto Marple Leafs.
Luis Fallas / Unsplash.com

Jedes Jahr ist es das Gleiche: Das Team spielt gut genug, um den Einheimischen Hoffnung zu machen. Wir erreichen die Playoffs, schnuppern am Sieg… und dann entgleitet es uns doch wieder. Was folgt, ist die vertraute Enttäuschung und das leise Versprechen: „Nächste Saison wird alles besser!“ Trotzdem zahlen Besucher in Toronto die höchsten Ticketpreise. Wer keine Karten bekommt, sollte unbedingt in die Hockey Hall of Fame. Die ist tatsächlich auch für absolute Nicht-Fans des Sports sehr lohnenswert und beeindruckend (mit diesem link lässt sich die Website der Hockey Hall of Fame Torontos öffnen).

4. Die Insel-Flucht: Ab auf die Toronto Islands

Wenn dir der Trubel in Downtown zu viel wird, mach es wie die Locals: Flieh auf die Islands! Sie sind der perfekte Sommer-Escape und bestehen aus drei Hauptbereichen:

Sicht auf Toronto von den Toronto Islands
VladislavPichugin / Shutterstock.com

Hanlan’s Point: Hier trifft sich eher das junge, hippere Volk.

Centre Island: Das Paradies für Familien.

Ward’s Island: Die entspannte Ecke mit fast dörflichem Flair.

Pro-Tipp: Nimm für den Hinweg ein Wassertaxi (schneller und cooler Ausblick) und fahr entspannt mit der großen Fähre zurück. Die Skyline-Aussicht bei der Rückfahrt ist unbezahlbar!

5. Der „Drake-Faktor“ & die Höflichkeit

Ja, Toronto ist stolz auf Drake (aka „The 6ix“). Aber bitte: Frag nicht an jeder Ecke nach ihm. Wahre Coolness bedeutet, einen Promi im Café zu sehen und einfach nur diskret am Hafermilch-Latte zu nippen.

Portrait des Rappers Drake
Universal

Und vergiss nicht: Entschuldige dich für alles. „Sorry“ ist in Toronto kein Schuldeingeständnis, sondern ein universelles Satzzeichen. Wenn dich jemand anrempelt, sagst DU „Sorry“. Kleine Gesten wie diese sorgen dafür, dass das Leben in der Großstadt für alle entspannt bleibt.

Wenn du also „Torono“ sagst und mit den Leafs mitleidest, bist du praktisch schon ein Kanadier.

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