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Der vierbeinige Ingenieur

Heute ist Tag des Bibers. Und das sollte für die Kanadier ein besonderer Tag sein. Denn  immerhin ist der kleine emsige Nager das Nationaltier des Ahornlandes.

Die Biber haben Nachtschicht

Wer durch kanadische Nationalparks wandert, muss etwas Glück haben, um dem Biber zu begegnen. Der nämlich gönnt sich tagsüber lieber ein Schläfchen, um dann in der Dunkelheit umso produktiver zu sein. In einer Nacht bringt der Biber Bäume von bis zu 50 Zentimetern Stärke problemlos nur mit Hilfe seiner Zähne zu Fall, um das Holz dann als Baumaterial zu nutzen.

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Dabei geht der Biber mit erstaunlicher architektonischer Raffinesse vor. Mit größtem Arbeitseifer und eisernem Willen rodet er Waldstücke, staut Flüsse und zieht neue Kanäle von beachtlicher Länge. Wozu? Um sich ein elegantes Häuschen zu schaffen. Dessen Eingang liegt stets unter der Wasseroberfläche, der eigentliche Wohnbereich jedoch befindet sich über dem Wasser. 

Dabei mag es auch der Biber durchaus großzügig. Ein-Zimmer-Appartements sind eher selten der Fall. Mit Schilf, Ästen und Schlamm baut er in der Regel gleich eine sogenannte Burg mit meist zwei Wohnkammern, die schon mal drei Meter hoch sein kann.

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Der XXL-Biber

Vor etwa 10.000 Jahren gab es, Wissenschaftlern zufolge, einen größeren Verwandten des kanadischen Bibers in Nordamerika. Der Riesenbiber hatte wohl eine Länge von zweieinhalb Metern (mehr als doppelt so groß wie der heutige, der bereits an die 40 Kilogramm wiegt). Die Micmac-Indianer erzählen die Legende, derer zufolge Glooscap, ein Gott des Stammes, im Zorn den Riesenbiber versteinert und seine Nachkömmlinge zu kleineren Nagern verdammt habe.

Der Pelzhandel

Diese kleineren Nager waren es dann auch, die die europäischen Entdecker und Siedler empfangen haben. Schätzungen besagen, dass die damalige Population bei etwa 100 Millionen Bibern in Nordamerika gelegen haben muss.

100 Millionen potentielle Pelze. Und hier beginnt ein wichtiger Teil der kanadischen Geschichte. Denn die Franzosen, Briten und später auch die Schotten lieferten sich einen erbitterten Konkurrenzkampf um den Pelzhandel. Das Biberfell war insbesondere im 18. Jahrhundert in Europa heiß begehrt und für die »Verkäufer« sehr lukrativ. Um die Sache etwas abzukürzen: Um die Regionen aufzuspüren, an denen die Nager ihre Burgen bauten, wurde das gesamte Land durchkämmt. 

Artsplav/Shutterstock.comErst im 20. Jahrhundert kam der Biber aus der Mode. Zum Glück, denn der  Nager war in vielen Regionen bereits so gut wie ausgerottet. Heute ist die Population des begnadeten Baumeisters wieder stabil. Und wer weiß – wäre der Biber und der rege Handel um sein Fell nicht existent gewesen, würde es Kanada, wie wir es heute kennen, wahrscheinlich nicht geben. Deswegen ist er das Nationaltier der Kanadier und hat einen kleinen Ehrenplatz in ihrem alltäglichen Leben: Sein Konterfei ziert die Fünf-Cent-Münze.