In der Nacht zum Donnerstag schrieb Kanada Fußballgeschichte. Das 6:0 gegen Katar in Vancouver war der erste WM-Sieg des Landes überhaupt. Es kam im achten WM-Spiel, nach Niederlagen-Serien 1986 und 2022. Auf dem Rasen stand dabei mehr als eine Mannschaft. Dort stand ein Stück kanadische Einwanderungsgeschichte.
Sechs Schlüsselspieler

Alphonso Davies (FC Bayern München, Verteidiger/Flügel)
Davies kam in einem Flüchtlingslager in Ghana zur Welt. Seine Eltern waren vor dem Bürgerkrieg in Liberia geflohen. Mit fünf Jahren erreichte er Edmonton. Heute trägt er die Kapitänsbinde und gilt als Gesicht des kanadischen Fußballs. Bei Bayern wurde aus dem Linksverteidiger ein universeller Tempo-Flügel. Gegen Katar fehlte er noch. Eine Muskelverletzung hatte ihn über einen Monat ausgebremst. Inzwischen ist er fit und drängt zurück in die Startelf.

Jonathan David (Juventus Turin, Sturm)
David kam in Brooklyn zur Welt und wuchs in Ottawa auf, die Familie hat haitianische Wurzeln. Vor dem Turnier stand er bei 39 Länderspieltoren. Gegen Katar legte er einen Dreierpack nach und traf in der 29., der 45.+3 und der 90.+2 Minute. Damit ist er Kanadas zuverlässigster Torjäger. Sein Weg führte über Ausbildungsstationen in Belgien und Frankreich zu Juventus. Im 4-2-3-1 von Marsch ist er der zentrale Abschlussspieler.

Cyle Larin (FC Southampton, Sturm)
Larin wuchs in Brampton bei Toronto auf, seine Wurzeln liegen in Jamaika. Mit 90 Länderspielen und 30 Toren ist er der Routinier im Angriff. Über die MLS, die Türkei und Spanien kam er nach England. Nach Leihen bei Feyenoord und Southampton unterschrieb er im Juni fest bei den Saints. Gegen Katar erzielte er das 1:0. Schon im Auftaktspiel gegen Bosnien-Herzegowina hatte er spät zum 1:1 ausgeglichen und Kanada den ersten WM-Punkt der Geschichte gesichert.

Stephen Eustáquio (LAFC, zentrales Mittelfeld)
Eustáquio wurde in Kanada geboren und wuchs in Portugal auf. Geprägt hat ihn der FC Porto, sein langjähriger Champions-League-Klub. Seit Februar spielt er auf Leihbasis bei LAFC. Champions-League-Tempo und Pressing bestimmen sein Spiel. Genau das überträgt Marsch auf die Nationalmannschaft. Eustáquio verbindet Defensive und Offensive, erobert früh Bälle und schlägt den vertikalen Pass auf David oder die einrückenden Flügel.

Ismaël Koné (US Sassuolo, zentrales Mittelfeld)
Koné kam in Abidjan zur Welt und wuchs in Montreal auf. Er steht für die neue Generation aus Kanadas MLS-Talentschmiede. Sein Profil: box-to-box, aggressiv im Zweikampf, spät im Strafraum gefährlich. Gegen Katar traf ihn das Turnier hart. Beim Stand von 3:0 brach er sich nach einem Foul von Assim Madibo Schien- und Wadenbein im linken Bein. Auf einer Trage verließ er das Stadion und winkte den Rängen zu. Seine WM ist vorbei.

Tajon Buchanan (FC Villarreal, Flügel/Mittelfeld)
Buchanan stammt ebenfalls aus Brampton, auch seine Familie hat jamaikanische Wurzeln. Über College-Fußball und New England Revolution ging es nach Belgien und weiter nach Spanien zum FC Villarreal. Er spielt als Wingback und als klassischer Flügelstürmer. Nach langer Verletzung ist er rechtzeitig zurück. Sein Job: Eins-gegen-eins-Durchbrüche und Flanken auf David und Larin.
Kanadas WM-Kader 2026
26 Spieler im Aufgebot von Jesse Marsch. Ihre Klubs verteilen sich auf elf Länder.
| Spieler | Verein | Land |
|---|---|---|
| Tor | ||
| Maxime Crépeau | Orlando City SC | USA |
| Dayne St. Clair | Inter Miami CF | USA |
| Owen Goodman | Barnsley FC | England |
| Abwehr | ||
| Alphonso Davies | FC Bayern München | Deutschland |
| Alistair Johnston | Celtic FC | Schottland |
| Moïse Bombito | OGC Nizza | Frankreich |
| Derek Cornelius | Glasgow Rangers | Schottland |
| Richie Laryea | Toronto FC | Kanada |
| Niko Sigur | Hajduk Split | Kroatien |
| Alfie Jones | Middlesbrough FC | England |
| Joel Waterman | Chicago Fire FC | USA |
| Luc de Fougerolles | FCV Dender | Belgien |
| Mittelfeld | ||
| Stephen Eustáquio | LAFC (Leihe von Porto) | USA |
| Ismaël Koné | US Sassuolo (Leihe von Marseille) | Italien |
| Jonathan Osorio | Toronto FC | Kanada |
| Mathieu Choinière | Grasshopper Club Zürich | Schweiz |
| Nathan Saliba | RSC Anderlecht | Belgien |
| Tajon Buchanan | FC Villarreal | Spanien |
| Jacob Shaffelburg | Los Angeles FC | USA |
| Liam Millar | Hull City | England |
| Jayden Nelson | Austin FC | USA |
| Ali Ahmed | Norwich City | England |
| Sturm | ||
| Jonathan David | Juventus Turin | Italien |
| Cyle Larin | FC Southampton | England |
| Tani Oluwaseyi | FC Villarreal | Spanien |
| Promise David | Union Saint-Gilloise | Belgien |
Verletzungsbedingt fällt Ismaël Koné für den Rest des Turniers aus (Beinbruch im Spiel gegen Katar). Stand: 19. Juni 2026.
Nach seinem Dreierpack gegen Katar steht David inzwischen bei mehr als 39 Treffern. Er bleibt Kanadas wichtigster Abschlussspieler.
Ein Sieg mit gedämpfter Freude
Das 6:0 fiel deutlich aus, die Stimmung kippte trotzdem. Katar spielte ab der 51. Minute mit neun Mann. Homam Ahmed hatte bereits in der ersten Halbzeit wegen einer Notbremse Rot gesehen, Madibo folgte nach dem Foul an Koné. Larin (16.), David (29., 45.+3, 90.+2), Nathan Saliba (64.) und ein Eigentor von Mohamed Manai (75.) sorgten für das Ergebnis. Saliba widmete sein Tor dem verletzten Koné und hielt dessen Trikot in die Höhe.
Im Stadion herrschte nach der Verletzung lange Stille. 52.497 Zuschauer verfolgten die Partie, darunter Premier Mark Carney. Der erste WM-Sieg der kanadischen Geschichte verlor durch das Bild der Trage seinen Glanz.
Ausblick
Mit vier Punkten aus zwei Spielen steht Kanada vor dem Achtelfinale. Am 24. Juni wartet in Vancouver die Schweiz zum Gruppenabschluss. Nur als Gruppensieger bleibt das Team für die K.-o.-Runde in der eigenen Stadt. Davies dürfte dann zurück sein. Erstmals seit 1986 hat Kanada die Vorrunde fest im Blick, getragen von einem Kader, dessen Landkarte um die halbe Welt reicht.