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Schneeschuhwandern in den Rocky Mountains

Wie einst die ersten Jäger und Trapper entdecken wir zu Fuß die Winterlandschaften der Rocky Mountains.

Von Jörg Michel

Mike Vincent hat einen beneidenswerten Arbeitsplatz. »Mein Büro ist hier draußen«, ruft Mike und zeigt durch das vereiste Fenster seiner kleinen Blockhütte. Der Himmel ist tiefblau, Schnee hat sich wie Puderzucker über die Wälder der Rocky Mountains gelegt. Die Dreitausender leuchten orangefarben im Sonnenlicht.

Schneeschuh heil

Doch wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir wollen das gute Wetter ausnutzen und am Lake Louise eine Winterwanderung mit Schneeschuhen unternehmen. Mit jenen ovalen Teilen aus Hartholz und Leder also, auf denen schon die ersten Jäger und Trapper Kanada einst entdeckten. Kanadischer geht es kaum!

Lake Louise im Winter, Alberta, Kanada
Andreea Chidu

Also schnappen wir uns ein paar Skistöcke und stapfen mit weiträumigen Schritten in den Wald hinein. Die Luft ist knackig frisch, es sind minus acht Grad. Der Waldboden am Ufer des Lake Louise ist knietief mit Schnee bedeckt, doch unsere Schuhe sinken kaum ein. »Die großflächige Tretfläche verhindert, dass man im Schnee untergeht«, erklärt Mike, der als Bergführer im nahen Hotel Fairmont Chateau Lake Louise arbeitet.

Spazieren durch den Pulverschnee

Das wussten auch schon die First Nations: Sie trugen im Winter einst ähnliche Schuhe. Bespannt waren sie damals mit einem Netz aus Leder und Sehnen. Viele moderne Modelle heute sind aus Alu und Kunststoff und haben Schnallen ähnlich wie ein Snowboard. Die halten den Fußballen fest, die Ferse bleibt stets beweglich.

Schneeschuhe im Schnee
Greg Rakozy

Damit läuft es sich wie fast von allein! Wie kleine Kinder hüpfen und springen wir durch den Pulverschnee und wirbeln dabei Millionen feine Schneekristalle auf. Nach einer Stunde haben wir das Ziel der Wanderung erreicht: die gefrorenen Wasserfälle unterhalb des Victoria-Gletschers. Die Fälle kleben wie riesige Eiszapfen an den Steilwänden der Berge fest. Einige hundert Meter weiter oben hängen ein paar Eiskletterer in ihren Seilen.

Autumn Sky Photography/shutterstock.com

Auf dem Rückweg führt uns Mike über den Gletschersee von Lake Louise, einem der besten Reviere für Schneeschuhtouren in den Rockies. Auf der Eisfläche sinken unsere Schuhe kaum noch ein. Sie klappern, als hätte sie hohe Absätze. Unter der Sohle knirscht es, doch keine Angst, das Eis ist dick und bricht nicht ein!

Zurück am Chateau Lake Louise wärmen wir uns in der gemütlichen Lakeview Lounge mit einem wunderbaren warmen Tee mit Zimt. Der gibt uns neue Energie – denn am nächsten Morgen wollen wir los zu einer etwas längeren Schneeschuh-Wanderung. Doch wohin? Die Auswahl fällt nicht leicht, denn für Schneeschuhfans gibt es zahlreiche Touren:

 

Shadow Lake, Banff National Park:

Diese Schneeschuhwanderung ist für Fortgeschrittene. Los geht‘s am Redearth Creek Parkplatz am Highway Nummer eins. Über 15 Kilometer geht es meist flach durch den Winterwald. Dann erreicht man auf einer Lichtung die Shadow Lake Lodge von Alison Brewster. Das Blockhütten-Ensemble ist an einigen Winterwochenenden im Februar bewirtet. Wer mag, kann dort übernachten und am nächsten Tag zurücklaufen.

Blockhütte in Banff
Ryan James Christopher

Skoki Valley, Banff National Park

Diese Tour führt zur ältesten Skihütte der Rocky Mountains und ist nichts für schwache Nerven. Ausgangspunkt ist das Skiresort von Lake Louise. Der Wildnispfad zur Skoki Lodge ist 14 Kilometer lang und führt über zwei atemberaubende alpine Bergpässe. Wildnis- und Lawinenausrüstung wird dringend empfohlen. Am Ende der Tour lockt Hüttenwirtin Katie Mitzel mit einem warmen Eintopf und frisch gebackenem Kuchen.

 

Bald Hills, Jasper National Park

Wer den weltberühmten Maligne Lake wie im Winterwunderland erleben will, der sollte zum Aussichtspunkt Bald Hills aufsteigen. Der Weg beginnt am Parkplatz am Maligne Lake, ist fünf Kilometer lang, gut beschildert, steigt allerdings stetig an. Doch der Lohn bleibt nicht aus. Am Ende tut sich ein Panorama mit gefrorenem See und gletscherbedecktem Dreitausender rund um Mount Unwin und Mount Charlton auf. Atemberaubend!

Maridav/Shutterstock.com

Lake O’Hara, Yoho National Park

Elf Kilometer lang ist die breite Schneise durch den Winterwald, die zum mystischen Lake O`Hara führt. Im Sommer fährt ein Bus zu dem See, der auf vielen kanadischen Kunstwerken verewigt wurde. Im Winter bleibt nur die eigene Muskelkraft: Startpunkt ist ein Parkplatz am Transkanada Highway zwischen Banff und Field. Auf der Route sind Loipen für Langlaufskifahrer gezogen, aber auch Schneeschuhwanderer sind willkommen.

Travel Alberta

Kinney Lake, Mount Robson Provincial Park

Der sechs Kilometer lange Spazierweg vom Parkplatz am Mount Robson Aussichtspunkt zum Kinney Lake ist flach und einfach – und zu jeder Jahreszeit ein belieber Tagesausflug. Auch im Winter ist der Weg meist gut ausgetreten, nach stärkeren Schneefällen sollte man allerdings an Schneeschuhe denken. Nicht zu spät loslaufen! Der See bekommt im Winter wegen der steilen Felswände des Mount Robson nur wenig Sonne!

 

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