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Erlebnisse mit den Ureinwohnern

Ob zu Fuß, per Kanu oder mit dem Hundeschlitten: Dank indigener Guides kann man die Kultur der kanadischen First Nations hautnah erfahren Von Jörg Michel

Eingeladen zum Potlach

Für Häuptling Marcus ist heute ein besonderer Tag. Der junge Mann vom Volk der Kwakwaka’wakw sitzt in einem prächtigen Langhaus am Feuer. Er hat sich rausgeputzt, trägt eine Weste aus rotem Filz und Kopfschmuck aus Pelz. Denn heute wird er tatsächlich offiziell zum Häuptling ernannt und zur Feier des Tages hat er das ganze Dorf zu einem traditionellen Potlatch eingeladen, einem Stammesfest, das drei Tage dauern wird.

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»Wir heißen Euch alle willkommen«, ruft ein Zeremonienmeister in die Menge, erst in Englisch, dann in der traditionellen Sprache seines Volkes, das in Alert Bay im Norden von British Columbia lebt. Weitere Männer setzen sich neben Marcus, greifen zu Schlagstöcken und hämmern auf einen Stamm aus Zedernholz. Bum, bum-bum, bum-bum. Zu den darauf folgenden traditionellen Liedern tanzt sich die Menge langsam in Trance.

Ein einmaliges Erlebnis

Wir sitzen inmitten hunderter Dorfbewohner auf der Zuschauertribüne und verfolgen das Geschehen fasziniert. Wann bekommt man ein solches kulturelles Erlebnis schon einmal live zu sehen? Das ist keine Besuchervorstellung. Es ist ein echter Potlatch, wie ihn die Westküstenureinwohner seit Jahrhunderten feiern, um den Zusammenhalt im Dorf zu stärken und die Familientraditionen weiterzugeben.

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Sogar einen Sack Mehl als Gastgeschenk bekommen wir überreicht – wie alle anderen Teilnehmer aus dem Dorf auch. »Geschenke sind bei einem Potlatch sehr wichtig. Damit zeigt der Gastgeber seine Dankbarkeit, teilt einen Teil seines Wohlstands und untermauert so sein soziales Ansehen«, erzählt uns Mike Willie, ein junger Ureinwohner, dem wir durch seine Einladung dieses einmalige Erlebnis zu verdanken haben.

Auf den Spuren der Ureinwohner

Willie ist ein Supertyp – und Vorzeigeunternehmer im indigenen Tourismus in Kanada. Seine Firma Sea Wolf Adventures aus Port McNeill ist auf kulturelle Erlebnisse im Norden von Vancouver Island spezialisiert und wenn es passt, nimmt er Besucher auch auf einen Potlatch mit. Auch Naturerlebnisse gehören in Willies Programm, wie etwa Bootsfahrten zu den Grizzly-Bären im Great Bear Rainforest. Ganz nebenbei lernt man durch ihn viel über die Lebens- und Denkweise der Ureinwohner.

Sea World Adventures

Auch andernorts gibt es tolle Touren mit indigenen Guides. Ich habe ein paar der besten für Euch rausgesucht:

 

T’ashii Paddle School, Tofino, British Columbia

Die uralten Regenwälder an der Westküste von Vancouver Island sind die Heimat von Tsimka Martin, einer Ureinwohnerin vom Stamm der Nuu-chah-nulth. »In unserer Sprache gibt es kein Wort für Wildnis. Wir sagen dazu Heimat«, erzählt sie, während sie ihr Paddel ins Wasser taucht. Mit ihrem Holzkanu geht es von Tofino aus nach Meares Island. Die Mammutbäume dort sind Martin heilig – und auch wir erstarren vor Ehrfurcht!

 

Tundra North Tours, Inuvik, North West Territories

Kylik Kisoun wuchs in Ontario auf, bevor er als Jugendlicher zurück in die Heimat seiner Vorfahren nach Inuvik zog. Dort zeigt der junge Inuit heute Besuchern die spektakulären Landschaften der Arktis. Im Winter geht es mit dem Motorschlitten zu den Karibuherden des Nordens oder auf die Eisstraße nach Aklavik. Im Sommer steuert uns Kisoun mit seinem Boot durch die Arme des Mackenzie Deltas – traditioneller Fischfang inklusive!

 

Aisinai’pi, Writing-on-Stone Provincial Park, Alberta

Die Felsen hoch über dem Milk River in Alberta gehören zu den heiligen Stätten der Blackfoot. Hier haben die Ureinwohner seit Generationen Bilder geritzt und gemalt. Doch was genau bedeuten die Symbole im Stein? Guides wie Juanita Tallmann von der Parkbehörde Albertas erklären es auf geführten Wanderungen: »Hier haben wir Blackfoot die wichtigsten Stationen unseres Lebens verewigt.« Die sollte man auf keinen Fall verpassen!

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Wapusk Adventures, Churchill, Manitoba

Bei Dave Daley in Churchill dreht sich alles um die Hunde. Daley ist ein stolzer Métis und gelernter Flugzeugmechaniker, doch seine Leidenschaft gehört seinen 30 Schlittenhunden. Die können es kaum erwarten, Besucher bei minus 20 Grad durch die borealen Nadelwälder im Norden von Manitoba zu ziehen. Die kleinste Tour vor den Toren der Stadt ist zwei Kilometer lang – also auch für Anfänger geeignet.

 

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