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Vancouver Island– Wilde Insel im Pazifik

Riesenwellen, Grizzlies und heißer Tee – Vancouver Island ist ein Paradies voller Natur, Wildlife und Genuss. Von Jörg Michel

Ein echtes Abenteuer: Stormwatching

Wenn George McDiarmid an den Strand geht, dann lässt er die Sonnenbrille gewöhnlich zu Hause und schnappt sich stattdessen Regenparka und Gummistiefel. Im Herbst und Winter ist in Tofino an der Westküste Vancouver Islands Sturmsaison. Der Pazifik ist aufgewühlt und voller Schaumkronen. Meterhohe Brecher rollen auf das Ufer zu und zerbersten krachend an den Klippen. Die Wellen schleudern entwurzelte Bäume an Land.

Wickaninnish Inn

Das wilde Naturschauspiel in dem einstigen Hippie-Dorf am Ende des B.C. Highway Nummer 4 ist mein Nummer-Eins-Highlight auf Vancouver Island. Stormwatching nennen die Kanadier den Volkssport und McDiarmid hat ihn quasi erfunden. »Als Kind habe ich stundenlang am Fenster gesessen oder bin im Regen am Strand entlangspaziert«, sagt er. »Da habe ich mir gedacht, das wäre doch was für Besucher.«

Heute besitzt der Hotelier das Wickaninnish Inn, ein luxeriöses Familienhotel hoch oben auf einer Klippe am Chesterman Beach. Besucher bekommen bei der Anreise eine Regenjacke, ein Fernglas, den Wetterbericht und die aktuellen Gezeitenkarten in die Hand gedrückt. Beim Strandwandern im Sturm findet man nicht selten faustgroße, gläserne Kugeln, die Fischer aus dem fernen Japan als Bojen für ihre Netze verwenden.

Beliebt bei Sturmguckern in Tofino sind auch der Cox Beach, der Wickanninnish Beach und der Lismer Beach im Pacific Rim National Park. Super ist auch der Big Tree Trail auf Myres Island, wo sich gigantische Rotzedern und Mammutbäume in den Himmel recken. Ein Tagesausflug mit dem Boot zu den Hot Springs im Maquinna Provincial Park gehört ebenfalls zu meinen Favoriten in Tofino.

Meine weiteren Highlights auf Vancouver Island:

High-Tea trinken in Victoria

Britischer geht es kaum! Vor dem altehrwürdigen Fairmont Empress Hotel am Inner Harbour parken rote Doppeldeckerbusse und koloniale Kutschen – fast wie in London. Drinnen erstrahlt die Lobby-Lounge in neuem, königlichem Glanz. Hier wird der traditionelle High Tea serviert, ein Klassiker auf Vancouver Island. 21 der feinsten Sorten Tee gibt es dort zur Auswahl, dazu kultivierte Snacks mit britischem Flair. Unbezahlbar ist und bleibt der Blick durch die Hotelfenster auf den Sonnenuntergang über dem Hafen.

Wildlife-Watching im Knight Inlet

Vancouver Island ist Land der Grizzly-Bären. Nirgendwo sonst kann man sie so gut erleben wie in Glendale Cove, einer verwunschenen Bucht im Knight Inlet zwischen Vancouver Island und Festland. 60 bis 70 Bären tummeln sich hier jeden Herbst und schlagen sich die Bäuche mit fetten Lachsen voll. Wer ihnen dabei zuschauen will, wohnt am besten in der Knight Inlet Lodge, einem schwimmenden Fly-In-Hotel, das auf Pontons gebaut wurde und das von Campbell River aus per Charterflugzeug zu erreichen ist!

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Paddeln zu den Gulf Islands

Fast könnte man meinen, in den Tropen zu sein! Auf den zwischen Vancouver und Victoria gelegenen Southern Gulf Islands wachsen tatsächlich Palmen und manche Strände kommen einem vor wie in der Karibik. Die Sidney Spit, eine idyllische Sandbank im Meer, gehört zum Gulf Island National Park, einer Gruppe von 15 felsigen Inseln und Inselchen. Im Sommer fährt ein Ausflugsboot von Sidney dorthin, am besten aber macht man’s wie die Einheimischen und paddelt entspannt mit dem Kajak rüber.

Strathcona Park Lodge

Wandern im Strathcona Provincial Park

Mitten im Zentrum Vancouver Islands finden sich die höchsten Berge und die besten Wanderreviere der Insel. Vom Parkplatz des Skigebiets Mount Washington aus geht es auf das Forbidden Plateau, eine subalpine Wilnislandschaft mit felsigen Zweitausendern, einsamen Bergseen, alpinen Hochebenen und bunten Lupinen. Elche, Vielfraße und Schwarzbären gehören hier ebenso zum Alltag wie die Nebelschwaden, die das ganze Plateau in eine mystische Märchenlandschaft verwandeln.