Farmery Estate Brewery

Hopfen und Malz, frisch aus der Prärie

Lawrence Warwaruk und sein Bruder brauen in der endlosen Weite Manitobas Bier – dazu pflanzen sie ihren eigenen Hopfen und Malz, hervorragendes Wasser haben sie sowieso. Und die Craft-Beer-Welle kam auch genau zur richtigen Zeit.

Von Gastautorin Verena Wolff

Wie alles begann

Es war keine gute Zeit, damals, in den achtziger und neunziger Jahren im ländlichen Manitoba. Die Farmer bekamen kaum noch Geld für ihre Produkte, sie mussten riesige Flächen bewirtschaften, um einigermaßen profitabel zu arbeiten. Auch die Farm der Familie Warwaruk stand wirtschaftlich schlecht da – und die Brüder Lawrence und Chris beschlossen, ihr Glück in der Stadt zu probieren.

Farmery Estate Brewery

 

Also gingen sie nach Winnipeg, eröffneten das Restaurant LuxSole – und hatten Erfolg damit. »Wenn ich heute zurückblicke, kann ich nur sagen: Gut, dass wir so naiv waren«, sagt Lawrence. Nach rund einem Jahrzehnt wollten sie etwas Neues probieren und machten aus dem LuxSole das Luxalune, einen Gastropub. »Dort haben wir mehr als 150 Sorten Bier aus aller Welt angeboten«, erzählt Lawrence.

Nächster Schritt: Bier

Doch die beiden waren im Grunde ihres Herzens Farmboys, Jungs aus der Prärie. Und sie wollten wieder zurück aufs Land, um ihre Kinder in der Freiheit großzuziehen, in der auch sie aufgewachsen sind. Also kauften sie Land in der Nähe von Neepawa, einem kleinen Ort etwa zwei Stunden westlich von Winnipeg. Sie begannen, Hopfen und Malz anzubauen. Und Bier zu brauen.

Farmery Estate Brewery

Farmery Beer heißt ihr Produkt, das es ausschließlich in bonbonfarbenen Dosen zu kaufen gibt – vor allem in Manitoba und den umliegenden Provinzen. »Die Craft-Beer-Welle kam für uns genau zur richtigen Zeit« erzählt Lawrence bei einer Führung durch die Brauerei, die in einem alten Maschinenschuppen untergebracht ist. In Edelstahltanks setzen zwei Braumeister aus Kamerun die Maische an, filtrieren sie und kochen die Würze mit dem Hopfen aus eigener Produktion. »Wenn schließlich die Hefe zugegeben ist, kommt die Mischung in die Tanks und beginnt zu gären«, sagt Lawrence.

Und ein bisschen süß

Derzeit produzieren die Warwaruks in der Farmery ein Pale Ale, ein Lager und ein Scottish Ale – allesamt schmackhaft. Der Verkaufsschlager aber kommt in pinken 0,33-Liter-Dosen und heißt Lemonale. Das ist eine Mischung aus kanadischer Limonade und Ale, die ähnlich schmeckt wie das deutsche Radler.

Marie Tysiak

Vor allem aber produzieren sie alles selbst, was sie für ihre Brauerei brauchen. Auf mehreren Feldern bauen sie Hopfen an, als einzige weit und breit. Drei Sorten wachsen da, ohne Chemie und in den rauen Winden der Prärie. Im Herbst wird geerntet und getrocknet, so dass sie das ganze Jahr über den wichtigsten Rohstoff für ihr Bier haben. Direkt nebenan gibt es ein großes Feld, auf dem Malz wächst – eine alte, europäische Sorte, darauf legt Lawrence wert.

»Sie ist weniger ertragreich und aufwändiger zu verarbeiten, aber sie ist für das Brauen besser geeignet.« Erstklassiges Wasser haben sie auch Neepawa – und schon sind die Zutaten beisammen. Die Limonade, den Saft und den Eistee, den sie für ihre Sorten Lemonale, Prairie Berry-Ale und Hard Ice Tea verwenden, kaufen sie allerdings dazu. Ansonsten aber machen sie alles selbst in der Brauerei, vieles von Hand – die ganze Familie macht mit. Und sie haben noch viel vor, mit ihren Feldern, ihrer Ernte und ihrer Brauerei. Das nächste Projekt heißt: Whiskey.