Canadian Heritage

Sägen, schmirgeln, fönen

Eine feste Größe in Albertas Kunstkalender ist das Ice Magic Festival am Lake Louise im Banff-Nationalpark. In diesem Januar ist es wieder soweit. Und wer will, kann dabei selbst zum eisigen Bildhauer werden. Von Stefan Weißenborn

Eine Motorsäge springt an. Das Geräusch dringt bis in die Gästezimmer des Hotels. Wer nicht gleich ans Fenster springt und nur weiter lauscht, wird nicht darauf kommen, was da unten vor sich geht. Dem Sägen folgt das Geräusch einer Flex, dann erklingt ein Bohrer, als müsse ein Zahnarzt ran. Schließlich herrscht Hämmern und Schaben vor, zwischendurch immer wieder Schmirgelgeräusche. Dann setzt ein Fön ein.

Travel Alberta

ICE ICE BABY

Wer im Januar zum Lake Louise in Albertas Banff-Nationalpark reist, wird sich an der malerischen Kulisse des gefrorenen Sees vor der Kulisse des Victoria Gletschers erfreuen können. Mit dem Pferdeschlitten kann man romantische Fahrten um den See unternehmen, Schneeschuhwandern ist vom Hotel aus möglich und Schlittschuhlaufen sowieso. Dass das im Sommer türkisgrüne Gewässer zufriert, ist sicher, so streng sind die Winter noch auf 1600 Metern Höhe.

Mit verlässlicher Regelmäßigkeit kann deshalb auf dem Eis des Lake Louise seit über 20 Jahren auch das Ice Magic Festival stattfinden. Eisschnitzer aus der ganzen Welt reisen in die kanadische Provinz, und haben 34 Stunden Zeit, ihr bildhauerisches Können unter eisigen Bedingungen zu beweisen. Dabei entstanden schon ein mannshoher großer T-Rex, Greifvögel, Ureinwohner im Kanu, Wintersportler und andere Skulpturen, denen sich die Künstler mit ihrer Instrumenten widmen, bis das letzte Details sitzt. Etwa der Schliff einer Adlerkralle oder die Spitzen einer zweigeteilten Drachenzunge.

Karolina Golab

Really (N)Ice Things

Die eisige Disziplin des Bildhauens hat eine internationale Szene. Regelmäßig werden in Alaska die World Ice Art Championships ausgetragen, in der Hauptstadt der Amur-Provinz in Chinas Norden, Harbin, das Harbin Ice Festival. Schirmherr des Ice Magic Festival vor den Terrassen des Fairmont-Hotel Chateau Lake Louise, bei dem sich die Szene 2018 vom 18. bis 28. Januar trifft, ist der kanadische Dachverband der Eisschnitzer, der National Ice Carving Association (NICA).

Am ersten Wochenende hauen die Künstler aus dem Eis, was sie können. Zur Verfügung gestellt werden als Rohmaterial große Eisblöcke von je über 100 Kilo Gewicht. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.  Die besten Skulpturen kürt eine Jury, beim Publikumspreis dürfen auch die Gäste ihre Stimme abgeben.

Karolina Golab

Ran an den Eisblock

Am zweiten Wochenende stehen die Besucher im Vordergrund. Während Demonstrationen bekommen sie von professionellen Eisschnitzern gezeigt, wie aus gefrorenem Wasser eine Skulptur wird. Und wer will, kann sich während des Little Chipper’s Ice Carving & Family BBQ auch selbst als eisiger Bildhauer ausprobieren – oder auch nur einen Marshmallow ins Lagerfeuer halten.

Vor allem Geduld sei gefragt beim Eisschnitzen, sagt Profi Ross Biasas von den Philippinen, der wie Scott Harrison aus Calgary schon mehrfach angetreten ist. Harrison sagt: Male zuerst. Was Du nicht malen kannst, kannst Du erst recht nicht schnitzen. Harrison ließ sich zum Eiskünstler quasi mittels eines Blicks aus dem Hotel animieren: Im Fairmont arbeitete er zuvor als Koch. 

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