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Ins Jubiläumsjahr gerettet – 50 Jahre Formel 1 in Kanada

1967 wurde das erste kanadische Rennen der Königsklasse bei Toronto ausgetragen. Im Folgejahr schon begann die Ära von Montreal, die denkwürdige Ereignisse der Formel 1 hervorbrachte darunter eine der dramatischsten Aufholjagden in der Geschichte des Motorsports.

Von Stefan Weißenborn

Siegesgewiss winkt er aus dem Cockpit den Fans zu. Der britische Rennfahrer Nigel Mansell führt seit 68 Runden und hat einen Vorsprung von 60 Sekunden auf den Zweiten im Rennen um den Großen Preis von Kanada in Montreal 1991, den Brasilianer Nelson Piquet. Doch dann passiert etwas Merkwürdiges. Der Motor stirbt, berichtet Mansell später. Nur noch ein paar Kurven sind zu fahren, trotzdem rauscht Hintermann um Hintermann an Mansell vorbei, zum Schluss wird er nur Sechster. Der an Piquet verschenkte Sieg ist einer der kuriosesten Momente der Formel 1.

Seit 50 Jahren werden Rennen der Königsklasse in Kanada ausgetragen.

Das erste fand 1967 im Mosport Park nördlich von Toronto statt, 1978 traten die Piloten erstmals auf dem Circuit Île Notre-Dame in Montreal an. Bis heute gilt der auf einer künstlichen Insel im Sankt-Lorenz-Strom angelegte Kurs als einer der anspruchsvollsten im Formel-1-Zirkus.

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Es gibt Hochgeschwindigkeitspassagen zu meistern auf die enge Kurven folgen. Vor der Schikane an der Start-Ziel-Linie zum Beispiel müssen die Fahrer innerhalb kürzester Zeit von fast 300 km/h auf 100 Sachen abbremsen – ansonsten droht nichts Gutes. Material und Mensch sind gefordert, überraschende Überholmanöver immer möglich. Deswegen und aufgrund der einmaligen Atmosphäre der schön gelegenen Rennstrecke ist der Große Preis von Montreal einer der beliebtesten Termine im Rennkalender.

Es ist eine richtig tolle Rennstrecke

Zum guten Ruf trugen viele Momente bei, darunter auch das Rennen von 2011, als der britische McLaren-Pilot Jenson Button sich im Starkregen vom zwischenzeitlich letzten Platz Position um Position nach vorn arbeitete und schließlich auch den führenden Sebastian Vettel kurz vor dem Ziel überholte. Vettel war zu diesem Zeitpunkt schon Weltmeister, Button aber sorgte für eine der ungewöhnlichsten Aufholjagden der Motorsportgeschichte.

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Berüchtigt ist auch die »Wall of Champions«. Am Ende der erwähnten Schikane verläuft die Ideallinie nah an einer Mauer. Wer sich hier nicht punktgenau konzentriert, kann seine Chancen auf den Sieg schnell vergessen. Auf besonders spektakuläre Weise wurde das während des Rennens 1999 deutlich, als nacheinander die Weltmeister Damon Hill, Michael Schumacher und Jacques Villeneuve in die Wand rasten.

Die kanadische Rennsport-Familie Villeneuve

Mit dem Namen Villeneuve ist der Formel-1-Sport auf besondere Weise verbunden. Gleich das Auftaktrennen auf neuem Terrain entschied Gilles Villeneuve, der Vater von Jacques, für Ferrari auf der Strecke, für sich. Es war das erste und letzte Mal, dass ein kanadischer Rennfahrer in Montreal gewinnen konnte. 1981 aber hatte Villeneuve noch einen letzten großen Auftritt. Ein gebrochener Frontflügel versperrte dem gebürtigen Quebecer die Sicht. Bei peitschendem Regen entschied er sich gegen einen Boxenstopp und rettete sich mit Kampfeswillen auf das Treppchen.

Ein Jahr später starb Villeneuve in Folge eines Unfalls bei 225 km/h, während des Qualifyings für den Belgischen Grand Prix auf dem Circuit Zolder. Nach seinem Tod wurde der Circuit Île Notre-Dame dem großen kanadischen Rennfahrer zu Ehren in Circuit Gilles Villeneuve umbenannt. Übertroffen wurde Gilles von seinem Sohn Jaques, dem er offenbar eine Menge Rennsport-Gene hinterließ: Zwar konnte auch Jacques Villeneuve trotz Heimvorteils nie auf kanadischem Grund gewinnen, 1997 aber war er der erste und bislang einzige Kanadier, der die ganze Saison für sich entschied und Formel-1-Weltmeister wurde.

Streckenführung gefährdet 

Bis kurz vor dem 50. Jubiläum der Königsklasse in Kanada war unklar, ob die Strecke auf der Île Notre-Dame weiterhin dem Rennzirkus dienen würde. Schon für die Saison 2005 stand Montreal auf der Kippe, war dann aber doch Austragungsort. 2009 strich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone die berüchtigte und betagte Strecke aus dem Saison-Rennkalender. Wegen in die Jahre gekommener Infrastruktur drohte dieses Schicksal auch für die Saison 2017. Doch der Bürgermeister von Montreal, Denis Coderre, versprach dem inzwischen als Geschäftsführer der Formula One Holding abgetretenen Ecclestone Nachbesserungen.

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Das Jubiläumsrennen der Königsklasse in Kanada wird am 11. Juni ausgetragen. Seit über zehn Jahren ist das Ausnahmetalent Jacques Villeneuve nicht mehr in der Formel 1 aktiv. Die ganze Hoffnung der kanadischen Fans liegt nun auf Williams-Pilot Lance Stroll. Der 18-Jährige hat seine Karriere in der Formel 1 erst in der laufenden Saison gestartet – mit einem finanzkräftigen Papa im Rücken, einem milliardenschweren Modeunternehmer. Und wie einst Jacques Villeuve debütiert er beim Team Williams. Kein schlechtes Omen. Warum allerdings Mansells Williams-Renault 1991 streikte, wurde nie geklärt.

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