Jennifer Latuperisa-Andresen

Nova Scotia: Dem Atlantik so nah

Malerisch schön sind die Orte vor der Haustür von Halifax. Und auch ein Teil der Titanic-Geschichte ist dort sichtbar.. Von Stefan Weißenborn

Entzückend: Peggy’s Cove

Der Fotograf gibt ein Zeichen. Eine Gruppe japanischer Touristen springt auf dieses Kommando in die Luft. Fliegende Arme, ein Blitz, der „Schnappschuss“ sitzt. Im Hintergrund: der weiß getünchte Peggy’s Point der St. Margarete Bay, der meistfotografierte Leuchtturm der Welt. So zumindest wirbt das kleine Fischernest Peggy’s Cove an der Küste Nova Scotias.

Die Bucht ist eine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten der kanadischen Atlantikprovinz. Sie ist nur eine knappe Autostunde von der Hauptstadt Halifax entfernt, in der die meisten Gäste per Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff ankommen. Und hier zeigt sich die Küste von ihrer beeindruckendsten Seite: Die Landzunge von Peggy’s Point ist ein Gebilde eindrucksvoller Steinrücken. Die Brandung kracht, die Möwen kreisen.

CTC
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Pittoresk ist auch Peggy’s Cove. Mit seinen Bootsschuppen, den kleinen Holzhäusern, überall herumliegenden Booten, Reusen und anderen Fischerei-Utensilien wirkt der Ort wie ein Freilichtmuseum besserer Zeiten. Die örtlichen Fischer sind mittlerweile darauf angewiesen, mit Souvenirs zu handeln, selbstgestrickten Mützen oder Miniaturen von Peggy’s Point.

Auch schön: Lunenburg

Maritime Vorzeigearchitektur ist die rund eine Stunde Autofahrt weiter Richtung Südwesten, in der Hafenstadt Lunenburg zu bestaunen. Sie ist die älteste von deutschen Einwanderern gegründete Siedlung Kanadas. Das bunte Ensemble aus alten Fischer- und Kapitänshäusern gehört seit 1995 zum Unesco-Welterbe. Das Fisheries Museum of the Atlantic zeichnet die Geschichte der örtlichen Fischerei nach – auch die des landesweit berühmten Schoners »Bluenose«, dessen Schnelligkeit die Fischer in den Zwanzigern schätzten. Der vor einigen Jahren restaurierte Nachbau Bluenose II liegt für Touristentörns im Sommer vor Anker.

Gary Yim/Shutterstock.com
Gary Yim/Shutterstock.com

 

Zum Gedenken der Opfer der Titanic

Wer dem Schicksal eines anderen Schiffs nachspüren möchte, ist in Halifax an richtiger Stelle. Auf dem Friedhof Fairview Lawn liegen die meisten der geborgenen Opfer der Titanic, die 1912 vor der Küste Neufundlands unterging. Einer der bekanntesten Grabsteine trägt die Inschrift eines „unknown child“, dessen Identität erst 2007 zweifelsfrei geklärt werden konnte. Seine Schuhe sind neben anderen Fundstücken von Bord des Ozeanliners, darunter eine hölzerner Liegestuhl, im Maritime Museum of the Atlantic ausgestellt.

Die »Titanic« ist auch mehr als 100 Jahre nach ihrem Untergang ein bedeutender Tourismusfaktor. Es gibt spezielle Touren-Angebote – und das Five Fishermen Restaurant: In dem Gebäude, einst ein Bestattungsunternehmen, wurden 1912 einige der geborgenen Titanic-Opfer aufgebahrt. Und natürlich glaubt man heute daran, es spuke in dem Haus, auch eine Bedienung bestätigt das (und grinst dabei). Durch die Schauer-Geschichten sollte man sich aber nicht von Hummer-Risotto, Jakobsmuschel-Ceviche oder schlicht den leckeren Miesmuscheln abhalten lassen.

 

 

 

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