Ales Nesetril

Plastikgeld regiert die kanadische Welt

Wer eine Reise nach Kanada plant, muss sich überlegen, welche Zahlungsmittel ins Gepäck kommen. Am einfachsten und sichersten ist die Kreditkarte. Bargeld ist an vielen Stellen schon überflüssig.

 

Zahlungsmittel im Vergleich 

Sprechen wir mal über Geld – oder genauer: Zahlungsmittel in Kanada. Viele Reisende stellen sich die Frage, wie viel und in welcher Höhe sie Dollar mitnehmen sollen, welche Dollar und wo man sie am besten tauscht. Die einfache Antwort: immer kanadische Dollar. Und nicht zu viele, vielleicht 100 oder 200. Denn man wird sie nur selten brauchen, für Trinkgelder oder einen Kaffee auf dem Weg. In aller Regel zahlt man überall mit der Kreditkarte. Wirklich überall. Denn auch an abgelegenen Fleckchen im Yukon oder Labrador haben Unterkünfte und Restaurants inzwischen Systeme, die mit dem Handy oder dem Tablet und einem kleinen Kartenleser funktionieren.

 

Kreditkarte – Eine Notwendigkeit?

Das Plastikgeld ist gängiges Zahlungsmittel – und mitunter sogar notwendig für einige Verträge. Wer einen Mietwagen oder Camper mieten will, braucht die Kreditkartennummer als Sicherheit, um damit die Kaution zu hinterlegen und im Vorfeld meist schon, um das Fahrzeug zu buchen. Auch Hotels blocken oft eine Summe von 100 oder 200 Dollar, die wieder freigegeben wird, wenn der Gast auscheckt.

Brieftasche mit Kreditkarten
twopaddles

 

Probleme des Bargeldes

Bargeld, so schön und bunt es in Kanada ist, ist kaum noch notwendig. Und es ist ein Risikofaktor. Denn wenn es geklaut oder verlegt wird, ist es unwiederbringlich weg. Eine Kreditkarte kann man telefonisch rund um die Uhr sperren lassen, wenn sie geklaut wird. Und: Wer die Belege aufhebt und sie später mit der Abrechnung vergleicht, kann bei Unstimmigkeiten auch Geld zurückfordern.

Kanadische Dollar in Hosentasche
mybosten/shutterstock.com

 

Reiseschecks – Eine gute Alternative?

Reiseschecks oder Travelers Cheques,  wie man sie früher kaufte und versichert mitnahm, gibt es zwar noch. Aber auch sie sind umständlich im Handling und werden im Allgemeinen in einer 20- oder 50-Dollar-Stückelung angenommen. Bei größeren Summen ist man also länger damit beschäftigt, die Schecks vor Ort gegenzuzeichnen.

Flugzeug, Scheckbuch, Handy und Pass als Reiseunterlagen
NIKCOA/shutterstock.com

 

Verfügungsrahmen

Also die Kreditkarte. Und welche genau? Das ist ein weites Feld, denn man sollte auf mehrere Sachen achten. Die einfachste Variante ist sicher, zur Hausbank zu gehen und dort eine Kreditkarte zum normalen Girokonto zu beantragen. Dort kann der Kunde auch über den Verfügungsrahmen der Karte verhandeln. Denn wer länger in Kanada unterwegs ist, vielleicht sogar mit Auto oder Wohnmobil, braucht in recht kurzer Zeit meist eine größere Summe.

 

liquidE bleiben

Das Problem eines eingeschränkten Verfügungsrahmens können Reisende aber dadurch umgehen, dass sie im Vorfeld Geld auf das Kartenkonto überweisen und so sicher liquide sind – auch wenn der kreditierte Rahmen eigentlich schon überzogen wäre. Viele Karten gibt es inzwischen auch als Prepaid-Kreditkarten. Sie haben keinen Verfügungsrahmen, sondern man kann nur ausgeben, was man zuvor eingezahlt hat.

Bankenvergleich

Während die meisten Banken eine Jahresgebühr für die Kreditkarte verlangen, gibt es zahlreiche Angebote von Direktbanken, die (vermeintlich) kostenlos sind. Es gilt, genau zu lesen, wofür und in welchem Umfang eventuell doch Kosten anfallen. Zahlen müssen Reisende in vielen Fällen auch bei der Umrechnung der kanadischen Dollar in Euro auf der Abrechnung: zwischen 0,5 und 2 Prozent der gezahlten Summe fallen dafür an. Nicht vergessen sollte man aber, dass auch der Umtausch von Bargeld oder der Kauf von Reiseschecks nicht gebührenfrei ist.

 

Gebäude einer Bank
Anton Violin/shutterstock.com

die besten Unternehmen 

Visa, MasterCard, American Express – das sind die drei gängigsten Unternehmen, die das Plastikgeld über viele Banken anbieten. Und die nahezu überall akzeptiert werden. In aller Regel gibt ein großer Aufkleber an der Kasse Auskunft darüber, was akzeptiert wird.

visa, mastercard, American Express in einer Brieftasche
dean bertoncel/shutterstuck.com

Kreditkarte mit Zusatzangebot – sinnvoll?

Und dann sind da noch die Karten mit den vielen Zusatzangeboten: Autoversicherung, Reiserücktritt und anderes, was auf einer Auslandsreise durchaus sinnvoll sein kann. Hier sollten Urlauber aber gegenrechnen, ob sich das für eine Reise lohnt oder ob man ohnehin häufiger unterwegs ist.

 

Geldabhebung

Bleibt noch: das Geldabheben in Kanada, wenn man doch einfach an sein Bargeld gewöhnt ist. Auch hierauf fallen Gebühren an, teils sogar heftige. Daher lohnt es sich nicht, 50 Dollar am Geldautomaten abzuheben, sondern eher 200. Denn oft ist die Gebühr pauschal fünf Dollar, manchmal auch ein Prozentwert. Allerdings gibt es auch hier verschiedene Angebote bei den Kreditkarten, die beispielsweise erst ab der fünften Barabhebung im Ausland einen Obolus verlangen.

vor einem Bankautomat steht ein Mann der gerade eine Auswahl trifft. Er hat sein Handy in der rechten Hand.
ImYanis/shutterstock.com

Kontaktlose Zahlung

Viele Kreditkarten bieten die Möglichkeit, kontaktlos zu zahlen – ganz ohne PIN oder Unterschrift. Dabei muss man nur die Karte an das Lesegerät halten, und schon wird der Betrag autorisiert. Ein Zeichen auf der Karte, das aussieht wie das WLAN-Symbol am Handy, zeigt an, dass die Karte so funktioniert. Die Funktion ist einerseits sehr praktisch, weil das gesamte Prozedere an der Kasse entfällt. Andererseits sieht man erst auf der Kreditkartenabrechnung, ob sich eventuell ein Fehler eingeschlichen hat. Bei einigen Karten kann man allerdings eine Kontrollfunktion einschalten, die bei Einkäufen, die höher als eine eingestellte Summe sind, eine Nachricht per SMS oder E-Mail schicken. So kann man bei möglichen Fehlern schneller gegen die Abbuchung vorgehen.

kontaktlos mit bezahlen mit Kreditkarte
JacobLund/shutterstock.com

Apple & Google Pay

Ebenfalls kontaktlos funktioniert »Apple Pay«. Dabei kann man mit dem Handy oder der Apple Watch zahlen, ohne Kassenzettel zu unterschreiben oder Geräte mit Geheimnummern zu füttern. Hier sind die Kreditkartendaten im Gerät hinterlegt, für die Sicherheit nutzt Apple entweder den Fingerabdruck oder den Gesichtsscanner. 16 Banken und Kreditkartenunternehmen unterstützen Apples Bezahldienst in Deutschland, darunter American Express, die Deutsche Bank und die Hypo Vereinsbank. Weitere sollen noch in diesem Jahr folgen. Google bietet mit »Google Pay« eine gute Alternative für Nutzer eines Android-Geräts.

Apple Pay Cash auf iPhone X
DenysPrykhodov/shutterstock.com

Checkliste:

☐ Kreditkarte rechtzeitig vor der Reise beantragen
☐ Über den Verfügungsrahmen verhandeln und/oder ggf. Geld einzahlen
Kartennummer notieren und an anderer Stelle als die Karte aufheben
Notrufnummer des Kreditinstituts aufschreiben
☐ Karte sofort sperren lassen, wenn sie geklaut wird oder nicht auffindbar ist