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Skitouren: Allein in eisiger Natur

Wem der Abfahrtssport zu eintönig und Langlauf zu altbacken ist, sollte auf Skitour gehen. Die kanadischen Rockys, aber auch die Berge im Osten bieten zahlreiche Möglichkeiten, für solche Trips, die Expeditionen recht nahe kommen. Aber es gibt auch eintägige Schnupperangebote. Von Stefan Weißenborn 

Back to the Roots

Die Umrisse der Sonne sind hinter einer Wand von eisigem Dunst messerscharf zu erkennen. Obwohl ihre Strahlen nicht ganz durchkommen, ist es so hell, dass ohne Sonnenbrille nichts geht. Die Skifahrer sind umgeben von gleißendem Weiß. Einzige Anzeichen von Leben im weiten Schnee sind sie selbst und die weißbestäubten Nadelbäume. Sie sind im Nirgendwo angekommen.  

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Es wirkt wie eine Erfindung der alpinen Postmoderne – doch in Wahrheit kehrt Skitouring zu den Wurzeln zurück. Denn als die ersten Menschen auf die Bretter stiegen, um der hügeligen Winterlandschaft zu trotzen, ins nächste Dorf zu kommen oder nur zu den Nachbarn, fanden sie keine frisch gespurten Loipen, keine Skilifte oder gar Hütten zum Einkehren vor. Sie umgab die pure und vor allem im Winter unbeugsame Natur. Das, was Menschen heute suchen und finden, wenn sie sich auf eine Skitour begeben.

Die Top-Destination für Skitouren

Kanada mit seinen weiten, über lange Strecken unbevölkerten Landstrichen, den verlässlichen Wintern und den Bergen ist eine Top-Destination für Skitouren. Vor allem die von den Rocky Mountains durchzogenen Provinzen British Columbia und Alberta bieten die Möglichkeit dazu, im Osten ist Quebec mit den Laurentinischen Bergen ein lohnenswertes Ziel. Wer ganz ab vom Schuss unterwegs sein will, kann auch in die Arktis reisen, nach Baffin Island in Nunavut.

Gegenüber den Alpen schätzen die Skibergsteiger vor allem den »Champagner Powder« genannten Pulverschnee, den es in Europa in seiner luftigen Form so nicht gibt. Eine Skitourist so etwas wie ein Mittelding aus Langlauf, Alpin und Bergsteigen. Denn neben Abfahrten in unberührtem Tiefschnee werden Ebenen und Täler durchwandert, und man muss die Hänge und Flanken wieder hoch. Gefordert ist deshalb auch eine anderes Equipment.

Abseits der präparierten Pisten

Der Touringski ist kürzerer, leichter als ein Alpinski und vorn weiter nach oben gebogen, was Abfahrten abseits präparierter Pisten im Tiefschnee vereinfacht. Für die Aufstiege hat er eine flexible Bindung, die ein Anheben der Ferse erlaubt. Um das Wegrutschen zu vermeiden, werden Skifelle untergeschnallt, bei vereistem Untergrund auch Harscheisen. Wer im Telemarken erfahren ist, kann sich auch mit Telemark-Ski auf Tour begeben. Kenntnisse in Lawinenkunde sollten gegeben sein und Navigationshilfen im Gepäck (GPS und Kartenmaterial). Lawinen-Sicherheitsausrüstung muss ebenso mit wie ein warmer Schlafsack, denn die Hütten sind oft unbeheizt. Wer in den Sport hinein schnuppern will, sollte auf eine geführte Tour in der Nähe eines Skigebietes gehen.  

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Für Anfänger empfehlen sich Ein-Tages-Touren mit der Aussicht auf ein warmes Hotelbett am Abend. In Quebec bieten mehrere Veranstalter solche Trips an – zum Beispiel in den Chic-Choc Mountains auf der Gaspésie-Halbinsel. Erfahren und körperlich fit sollte sein, wer sich über das Wapta Icefield begibt, die Querung ist der Klassiker des Skitourings in den Rockys. Das Eisfeld in den Waputik Mountains erstreckt sich zwischen Alberta und British Columbia. Die Tour führt von Hütte zu Hütte und dauert je nach Route vier bis sechs Tage. 

Richtige Vielfalt in British Columbia

Vor allem in Britisch Columbia aber sind die Optionen vielfältig. Bekannt sind die Blackcomb and Whistler Mountains wo neben klassischem Alpinsport und Snowboarden auf der Piste auch Ausflüge in die bergige Wildnis angeboten werden, die über eisige Gletscher, durch endlose Wälder und weite Flächen führen. Weniger bekannt sind die Gebiete im Küstengebirge um Mount Garibaldi, die Tantalus Range oder den Skiort Pemberton. Etwas abgelegen ist das Skigebiet Revelstoke Mountain Resort, wo auch Heli-Skiing angeboten wird. Ein Tipp für Skitouring: der Rogers Pass nahe Revelstoke.