Cal Brunker/ Shutterstock.com

Muskoka – Kanada im Kleinformat

Das Cottage Country in Ontario gehört seit über 100 Jahren zu den beliebtesten Ferienregionen des Landes. Manche sagen, in Muskoka könne man die Seele Kanadas finden.

Von Jörg Michel

Wir verlassen Toronto auf dem Highway mit der Nummer 400. Es geht auf drei Spuren in Richtung Norden, geradeaus, immer geradeaus. Heute gibt es nur wenig Verkehr und schon bald weichen Lagerhallen und Tankstellen lieblichen Wäldern und Seen so weit das Auge reicht. Wir sind auf dem Weg ins Cottage Country von Ontario, eine der beliebtesten Ferienregionen in Kanada.

Drei bis vier Stunden dauert unsere Fahrt auf dem Highway, der uns mitten in die Region Muskoka führt. Das Wort geht auf den Namen eines Häuptlings der Chippewa-Ureinwohner zurück. Sage und schreibe 1600 Seen hat die Eiszeit hier hinterlassen, dazu unzählige Flüsse, Kanäle und Moore. Durch das Autofenster sehen wir riesige Kiefern, weiße Schäfchenwolken am Himmel und bewaldete Hügel.

Amit Khoje/ Shutterstock.com

Das Malibu des Nordens

Wie so viele kommen auch wir nach Muskoka, um die Sommerfrische zu genießen. Zwei Millionen Ferienhäuschen soll es hier geben, die meisten mit Boot, Steg und Garten am Wasser. Auch Promis wie Kurt Russell oder Tom Cruise besitzen hier ein Domizil. Die New York Times nannte die Gegend einmal das „Malibu des Nordens“. Na dann kann ja nichts mehr schief gehen!

Wir erreichen Huntsville, ein pittoreskes Städtchen, das als Zentrum der Region gilt. Bunt bemalte Häuschen säumen die Straßen. Am Ufer des Muskoka River reiht sich ein Outfitter an den anderen. An den Bootsschuppen lehnen hunderte blaue, gelbe und rote Kanus. In vielen Gärten stehen Muskoka-Stühle, ikonische Sessel aus Holz, die längst zu einem Markenzeichen für ganz Kanada geworden sind.

Adam Melnyk/ Shutterstock.com

Wie gemalt, dieses Kanada

Manche sagen, in Muskoka könne man die Seele Kanadas finden wie an kaum einem anderen Ort. Das hat auch mit ihm zu tun: Vor dem Rathaus thront eine Bronzestatue von Tom Thomson, einem der wichtigsten kanadischen Maler des 20. Jahrhunderts, der in Huntsville lebte. Da sitzt er auf einem Baumstumpf, hat eine Wollmütze auf, eine Tabakpfeife im Mund und einen Malkasten in der Hand.
Seine Gemälde der windgepeitschten Seen, knorrigen Bäume und zerklüfteten Küsten Muskokas sind längst zu kanadischen Wahrzeichen geworden und hängen in allen größeren Museen des Landes. Sie stehen als Symbole für Kanada wie nur wenige Kunstwerke. In Huntsville sind sie als Wandgemälde auf allerlei Fassaden zu sehen: auf den schmucken Häusern, im Stadtpark, am Rathaus.

Viele Motive zeigen den Algonquin Park, der eines der populärsten Paddelreviere Kanadas bietet. Der Park liegt nur eine Stunde Fahrzeit entfernt. Er steht für den Pioniergeist und den Mythos des Landes, das einst von Pelzhändlern in Kanus entdeckt und erschlossen wurde. Für viele Familien in Kanada gehört das Campen und Paddeln im Park zum Sommer dazu wie gegrillte Steaks oder geröstete Marshmallows.

Aivoges/ Shutterstock.com

Irgendwo zwischen 30.000 Inselchen

Auch wir haben uns Kanus gemietet und tauchen unsere Paddel in das tiefblaue Wasser des Canoe Lake. Hier hat einst auch Tom Thomson viel Zeit auf dem See verbracht. Kein Wunder, denn die bunten Laubwälder, die bizarren Baumstümpfe im Wasser, die mystischen und überwucherten Uferstreifen würden jedes Kunstwerk schmücken – und ziehen seit über 100 Jahren Besucher aus aller Welt an.

Auch ein paar Autostunden weiter an der Georgian Bay sieht es aus wie auf den Gemälden Thomsons. Die Bay gehört zum Huron-See, einem der Großen Seen Nordamerikas. Mittendrin liegen 30.000 felsige Inseln und Inselchen, die mit Wacholderbüschen, Moosen und windschiefen Nadelbäumen bewachsen sind. 63 der Inseln stehen unter Schutz und gehören zum Georgian Bay Island National Park.

Jordan McIntyre/ Shutterstock.com

Vorsicht, Bär!

Ein Ranger der Nationalparkbehörde bringt uns mit einem Patrouillenboot vom Örtchen Honey Harbour zu einer der Inseln raus. Mit 200 Pferdestärken pflügt sich das Boot durch das tiefblaue Wasser, ab und zu hört man den Eistaucher singen, ein markanter Laut, den in Kanada jedes Kind erkennt. Nach zwanzig Minuten haben wir schließlich die Insel Beausoleil Island erreicht.

Die Insel ist wie Kanada im Kleinformat – und der perfekte Ort für unser Picknick. Wir sitzen auf einem Felsen mit unseren Sandwiches und lauschen dem Wind und dem Plätschern des Wassers. Mit einem Zelt könnten wir jetzt auf der Insel übernachten und uns abends ein Lagerfeuer anzünden. Doch Achtung! Ab und zu schwimmen Bären raus auf die Inseln. Dann heißt es schnell zurück zum Festland!

Das könnte Dich auch interessieren