Screenshot des Ontariosees auf Apple Karten mit dem Namenszusatz »Amerikasee« Screenshot Apple Karten

Lake America? Warum Kanada am Namen Ontariosee festhält

Donald Trump hat den Lake Ontario per Executive Order für US-Behörden in »Lake America« umbenannt. Kanada hält dagegen. Denn hinter dem Namen Ontario steckt eine mehr als 400 Jahre alte Geschichte, die bis zu den indigenen Bewohnern der Region zurückreicht und damit älter ist als die Gründung Kanadas und der USA. 

Warum hat Trump den Ontariosee umbenannt?

Am 27. August 2026 hat US-Präsident Donald Trump eine Executive Order unterschrieben. Damit gibt er den US-Behörden die Anweisung, im Geographic Names Information System (GNIS) den »Lake Ontario« zu »Lake America« umzubenennen. Diese Entscheidung bindet die US-Behörden, aber nicht Kanada.

Kanadische und US-Amerikanische Flagge.
ehrlif/Shutterstock.com

Der Ontariosee ist der östlichste und flächenmäßig kleinste See der fünf Great Lakes. Er liegt direkt auf der Grenze zwischen den USA und Kanada. Trump argumentiert, dass die tiefste Stelle des Sees auf US-Gebiet liegt. Die US-Regierung schließt daraus, dass sie dadurch einen größeren Anteil am Wasservolumen beansprucht. Kanada hält dagegen, denn rund 52 Prozent der Wasseroberfläche liegen auf kanadischer Seite.

Darf der US-Präsident einen See umbenennen?

Der US-Präsident kann durch eine Executive Order verbindliche Entscheidungen treffen, die für US-Beamte gelten. Die Anweisung, den Namen im GNIS zu ändern, ist damit auf US-Ebene gültig. Darüber hinaus aber nicht.

Kanadas Premierminister Mark Carney.
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Kanada muss die Namensänderung also nicht akzeptieren, was das Land auch nicht tut. Im Gegenteil, denn Kanada reagiert mit Trotz und Selbstbestimmtheit. Ontarios Premierminister Doug Ford lässt in kürzester Zeit ein mehrsprachiges Schild am Ufer des Ontariosees aufstellen. Die Aufschrift ist eindeutig: »Lake Ontario. Now and Always«. Kurz darauf meldet sich auch Kanadas Premierminister Mark Carney auf der Plattform X. Er weist auf den indigenen Ursprung hin und betont die über 400 Jahre alte Geschichte des Namens:

The name Lake Ontario comes from the Wendat word Ontari’io, which, appropriately, means ‚the lake is beautiful, the lake is big‘.

The name is more than 400 years old, predating both the Confederation of Canada and the Declaration of Independence of the United States of America.

We know that America is changing. Their trading relationships, their foreign policies, their national monuments, their hydronyms.

Canadians also know that naming reality means calling it Lake Ontario – then, now and always.

Auch der Kartendienst MapQuest verweigert die Namensänderung. Stattdessen lässt das Unternehmen die Nutzenden selbst über den Namen des Sees entscheiden. Der Kartendienst landet mit der Aktion zeitweise auf Platz eins im App Store.

Woher kommt der Name Ontario?

Wie Mark Carney betont, besiedelten indigene Gruppen die Region des Ontariosees schon lange bevor es Kanada und die USA als heutige Nationalstaaten überhaupt gab. An den Ufern des Sees ließen sich unterschiedliche indigene Gemeinschaften nieder und mit ihnen entstanden verschiedene Namen für den Ontariosee. Einer dieser Namen lautet »Ontarí’io«. Er kommt von den Wendat beziehungsweise Huronen. Ihre Sprache gehört zur irokesischen Sprachfamilie. Sinngemäß übersetzt bedeutet er »Der See ist schön, der See ist groß«.

Steinküste am Lake Ontario.
Zarif Ali/Unsplash.com

Auch französische Siedler hielten Namen für den See auf ihren Karten fest, so wurde der See »Lac Ontario ou des Iroquois« oder »Lac Frontenac« genannt. Doch setzte sich »Ontarí’io« durch und wurde dann auf die Provinz Ontario übertragen. Der Name ist damit kein einfaches geografisches Etikett für Kanada und die Provinz Ontario. Er ist fester Bestandteil der regionalen Geschichte, die über 400 Jahre in die Vergangenheit reicht.

Im Time Magazine beschreiben die Geografen Reuben Rose-Redwood und Derek Alderman, dass Trumps Erlass ein symbolischer Akt mit einer hohen Wirkmächtigkeit ist. Die Umbenennung ändert nicht nur die Buchstaben auf einer Karte, denn Karten konstruieren unseren Blick auf die Welt. Die sprachliche Präsenz der indigenen Bevölkerung gerät damit nicht nur in Vergessenheit, sondern wird durch »America« ersetzt. Damit verschwindet ein Name, der schon lange vor Kanada und den USA mit der Region verbunden war.

Wie heißt der See jetzt auf Google Maps und Apple Karten?

Wer den Ontariosee in den USA auf Google Maps aufruft, sieht dort seit dem 29. August 2026 den Namen »Lake America«. Das Unternehmen begründet diese Änderung damit, dass es sich an staatliche Namensquellen hält. In Kanada hingegen heißt er auf Maps weiterhin »Lake Ontario«. In allen anderen Ländern, so auch in Deutschland, werden beide Namen angezeigt.

Screenshot auf Google Maps in Deutschland. Sowohl Lake Ontario als auch Lake America werden angezeigt.
Screenshot Google Maps Deutschland

Apple zieht der Änderung nach. Auf Apple Maps heißt der See in den USA seit dem 1. September »Lake America« und in Kanada »Lake Ontario«. Auch hier werden in Deutschland beide Namen angezeigt.

Was macht den Ontariosee für Kanada so bedeutend?

Der Ontariosee ist über den Sankt-Lorenz-Strom direkt mit dem Atlantik verbunden. Von diesem Seeweg profitieren Städte wie Toronto oder Hamilton schon seit Jahrhunderten. Der See ist für beide Seiten der Grenze eine wichtige Trinkwasserquelle und bildet eine Grundlage für die lokale Landwirtschaft.

Gütetransport über den Lake Ontario.
Matthew Ansley/Unsplash.com

Mit seiner Nähe zu den Niagarafällen und den geschichtsträchtigen Thousand Islands ist die gesamte Region um den See herum ein beliebtes Reiseziel. Die kontrastreichen Ufer beheimaten dicht besiedelte Städte wie Toronto sowie große Naturschutzgebiete. Damit ist der See ein wichtiger Lebensraum für verschiedene Pflanzen- und Tierarten. Was soll man sagen? »Der See ist schön, der See ist groß« beschreibt den Ontariosee ziemlich gut.

Person auf SUP auf dem blauen Lake Ontario.
Mark Ashford/Unsplash.com

Ein Name, der bestehen bleibt

Donald Trump kann bestimmen, welchen Namen US-Bundesbehörden verwenden. Er kann aber nicht bestimmen, wie Kanada den See nennt und welche Geschichte der Name trägt. Denn »Ontarí’io« ist seit über 400 Jahren in der Sprache der Region präsent, länger als Kanada und die USA existieren. Der Namensstreit zeigt, wem Geschichte gehört und wer sie auf einer Karte sichtbar machen darf.

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