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Der frische Wein von der Atlantikküste

Nova Scotia hat sich zu einem Geheimtipp für Weinkenner entwickelt. Vor allem die Weißen und die Schaumweine haben viele Fans – und sie passen hervorragend zu Hummer und Fisch.

Wein aus Kanada kommt aus Ontario und British Columbia? Falsch! Annapolis Valley heißt das Zentrum der Weinindustrie in Nova Scotia, an der kanadischen Atlantikküste. Das raue Klima dort und die steinigen, sauren Böden sind wohl nicht das erste, bei dem man an optimales Terrain für Trauben denkt. Doch auch die Grafschaft Kent im Süden Englands hat sich zu einem Hotspot für Winzer entwickelt. Denn: In der Champagne wird es langsam zu warm. Und die Böden jenseits des Ärmelkanals sind denen in Frankreich ähnlich.

Elle Hughes

 

Einen weiteren Vorteil gibt es: Die Trauben können deutlich länger in der Sonne baden als an vielen wärmeren Orten. Denn es ist den ganzen Sommer über lange hell, und geerntet wird bis in den November hinein. Vor allem Weiß- und Schaumweine produzieren die Winzer in Nova Scotia, denn für diese Traubensorten sind ihre Böden am besten geeignet.

Und noch ein Pfund haben sie, mit dem sie wuchern können:

Die vielen jungen Kellermeister, die die Gegebenheiten verstehen und aus den Trauben schmackhafte Weine machen. Jean-Benoit Deslauriers etwa verließ 2008 das warme Kalifornien, um am Gaspereau River Wein herzustellen, für die Winzerei Benjamin Bridge. Das ist die einzige der rund zwei Dutzend »wineries«, deren Schaumwein in ganz Kanada erhältlich ist. Er ist der Meinung, dass die Weine die Charakteristiken der Region widerspiegeln müssen, aus der sie kommen.

Kelsey Knight

 

Für Nova Scotia heißt das: klare, frische Weine, die ganz hervorragend zu Fisch und Meeresfrüchten passen. Denn auch die kommen in der Atlantikprovinz oft auf den Teller. Deslauriers vergleicht das Anbaugebiet mit denen, die im Norden Frankreich und Deutschlands liegen – oder eben in der Höhe, wie etwa in den Alpen. »Rotweine sind dort allerdings etwas schwieriger herzustellen«, sagt er. Aber auch das ist einen Versuch wert. Mit den Weißen hat es ja auch geklappt.

Die erlesenen Weingüter

Die meisten von Nova Scotias besten Weingütern liegen in den sanft gewellten Hügeln und Tälern rund um Wolfville und Grand-Pré. Unsere Auswahl: (Achtung von Mai bis Oktober haben die meisten geöffnet, besser aber nochmal die Webseite checken, vor Anreise)

 

Luckett Vineyards

Das Weingut hat einen wunderbaren Blick über die Trauben und Hügel bis hinunter zu den Klippen der Bay of Fundy. Ein Tasting gehört zum Pflichtprogramm, reicht doch das Sortiment von Rot-, Weiß-, Dessert- bis hin zu Obstweinen. Insbesondere der Eiswein ist sehr zu empfehlen. Und natürlich ein Mittagessen auf der schönen Terrasse.

 

 

Gaspereau Vineyards

Diesem Personal können Löcher in den Bauch gefragt werden. Alles wird beantwortet. Es besteht geradezu eine große Freude am Erklären. Das ist eine Wohltat, insbesondere wenn man währenddessen noch ein Gläschen des exzellenten Estate Rieslings, der zu den bekanntesten der Provinz zählt, genießen kann. Auch lohnt es sich, den preisgekrönten Eiswein des Weinguts zu kosten.

Ein Topf Muscheln und ein Glas wein aus Nova Scotia
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Domaine de Grand Pré

Das Weingut ist ein tolles Ausflugsziel und eines der bekanntesten in der Provinz Nova Scotia. Es bietet einen leckeren würzigen Muskateller und einen guten spritzigen Champlain Brut.

 

Blomidon Estate Winery

Der freundliche Winzer der Blomidon Estate Winery redet gern mit den Gästen, die zu einer Verkostung vorbeikommen. Die Schaumweine und der Tidal Bay sind wahrscheinlich die besten Weine, aber auch der herbe Rotwein hat es verdient, probiert zu werden.

Wer nicht selber fahren möchte, weil er sich dem Weingenuss hingeben möchte, nimmt einfach den Wolfville Magic Winery Bus, der von Juni bis Mitte Oktober im Einsatz ist.

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