Fahrradfahrer auf dem Kettle Valley Railtrail Destination Canada

Die schönsten Radtouren in Kanada

Auch wenn einige deutsche Veranstalter schon längst Radtouren im Ahornland anbieten: Als Radler-Mekka ist Kanada nach wie vor ein weitgehend weißer Fleck. Mögen diesen Zeilen das ändern!

Text: Ole Helmhausen

In punkto Radfahrerfreundlichkeit hinken Kanadas Kommunen noch immer hinter Deutschlands Städten her. In den ländlichen Regionen und in den Nationalparks dagegen ist Radfahren Genuss pur. Mal herrscht kaum Verkehr, mal gehts durch unberührte Wildnis, mal folgt der Radweg einer stillgelegten Eisenbahntrasse durch menschenleeres Hinterland, und meist – oder immer eigentlich – sind Himmel und Erde größer, weiter, spektakulärer als daheim. Was man mitbringen sollte? Eine gute Kondition auf jeden Fall, Sonnencreme und viel, viel Wasser. Für den Rest sorgt der Radverleih vor Ort.


Kettle Valley Rail Trail, British Columbia

Fahrradfahrer auf dem Kettle Valley Railtrail

Destination Canada

Der Kettle Valley Rail Trail  folgt der Trasse der stillgelegten Kettle Valley Railway, die sich früher durch das mittelgebirgsähnliche Backcountry des Okanagan und Similkameen wand. Insgesamt gut 650 Kilometer lang, reicht der Trail von Hope bis nach Castlegar und ist damit das größte Radwegenetz in British Columbia.

Fahrradfahrer auf dem Kettle Valley Railtrail
Destination Canada

Die Tour geht durch Wälder, Weingüter und Wüsten und an blauen Seen vorbei. Ein landschaftlich besonders schönes Highlight sind die 20 Kilometer durch den Myra Canyon oberhalb von Kelowna. Dort radelt man unter anderem durch zwei düstere Tunnel und über 18 an den Hängen klebende, alte Holzbrücken mit genialen Aussichten auf Canyon und Kelowna..


 

Niagara River Recreation Trail, Ontario

Soll man ausgerechnet dem Mann glauben, der einem Reporter auf die Frage, wie er trotz seines ungesunden Zigarren- und Whiskykonsums ein biblisches Alter erreicht habe, mit »No Sports« antwortete? Den Niagara River Parkway ist Winston Churchill zwar auch nie geradelt, doch immerhin bezeichnete er die Strecke zwischen Niagara-on-the-Lake und Niagara Falls als schönste Sonntagnachmittagsausfahrt der Welt. Wer dem legendären britischen Premier nicht glaubt, schwingt sich am besten selbst in den Sattel – und lässt sich verzaubern.

Links: eine Hand voller Himbeeren, Links: Eine Frau trägt einen Korb Pfirsiche auf dem Kopf
Destination Canada

Von den herrlichen Weingütern bei Niagara-on-the-Lake, vom zeitvergessenen Dörflein Queenston Heights mit seinem besteigbaren, tolle Aussichten garantierenden Brock Monument und den Niagarafällen, natürlich. Insgesamt 56 Kilometer lang ist der Niagara River Recreation Trail, ein bis zu zweieinhalb Meter breiter, asphaltierter Radweg und unterwegs läßt er den amerikanischen Nachbarn auf dem nur einen Steinwurf entfernten Ufer gegenüber keine Sekunde aus den Augen.

Junge Frau sitzt mit dem Rücken zum Betrachter an einem Flussufer
Destination Canada

Die Blaubeeren-Route, Québec

Mit einem Radwegenetz von über 5.000 Kilometern Länge ist Québec die radfahrerfreundlichste Provinz Kanadas. Ein besonders schönes Teilstück der renommierten Route Vert ist die 256 Kilometer lange Blaubeeren-Route bzw. Véloroute des Bleuets. Sie umrundet den zwei Autostunden nördlich von Québec City liegenden, gut 1.000 Quadratkilometer großen Lac St-Jean und führt dabei durch ein pastorales Stilleben aus sattgrünem Farmland, schläfrigen Dörfern und hübschen kleinen Stränden hinter lichten Wäldchen.

Quebec City Tourism/Camirand Photo

Vier, fünf Tage braucht, wer die durchgehend flache Strecke in aller Ruhe erradeln möchte – und dabei hin und wieder schwimmen gehen, die Farmstände mit frischem Obst und Gemüse nach den legendär dicken Blaubeeren abklappern und abends in den urigen Mikrobrauereien einkehren will.


Durch den Keji (NS)

Uraltes Mik`kmeaw-Territorium ist dies. Und Nova Scotias einziges Dark Sky Preserve. Was – in klaren Nächten – einen sternenklaren Himmel mit Milchstraßegucken bedeutet, und tagsüber herrliches Radeln durch eine seit Urzeiten unberührte Wildnis aus alten Wäldern mit klaren Seen und Flüssen. Fünf wunderbar lauschige Radwege ziehen durch den knapp 400 Quadratkilometer großen Nationalpark im Innern der Provinz.

Da wäre der Trail zum Peter Point, einer von Ahornbäumen und Hemlocktannen umgebenen, weit in den See ragenden Landzunge. Oder der Radweg den Mersey River entlang, über schwimmenden Brücken und vorbei an dunklen Teichen. Oder aber die 20 Kilometer lange Fire Tower Road, die durch alte Birken- und Ahornwälder zu einem Feuerbeobachtungsturm hoch über dem Park führt. Ganz schön hart, die Qual der Wahl!

Mit dem Mountainbike durch den Keji
Jennifer Latuperisa-Andresen

Auf den Spuren der Wikinger, Neufundland und Labrador

10 – 12 Tage, 600 Kilometer. Von Deer Lake aus immer nach Norden, den Schildern mit dem stilisierten Wikingerschiff nach. Der Hwy 430, als Viking Trail bekannter, ist nichts für Warmduscher! Die Northern Peninsula ist rau, schroff und leer und der harte Wind, der einem ins Gesicht bläst, derselbe, der einst die Wikingerschiffe aus Grönland diese kahlen Gestade entlangtrieb. Die Tagesetappen sind 70 bis 100 Kilometer lang, die Etappenziele tragen typisch neufundländische Namen wie Sally´s Cove,  und Plum Point.

Linkum Tours Ltd.

Doch wer Abenteuer und Herausforderungen liebt, wird nicht nur die absoluten Highlights genießen: die Durchquerung des für seine Plattentektonik und den spektakulären Western Brook Pond weltberühmten Gros Morne National Park, den Abstecher mit der Fähre von St. Barbe hinüber nach Labrador und natürlich den Besuch der Wikingerstätten von L´Anse-aux-Meadows unweit St. Anthony. Wer im Juni und Juli unterwegs ist, hat zudem gute Chancen, Eisberge zu sehen. Und Wale. Und Elche sowieso. Denn in diesem Teil Neufundlands herrscht die wohl höchste Elchdichte in Nordamerika!

Wikingerhütte in einsamer kanadischer Landschaft; Muscheln; Picknickkorb an der kanadischen Küste
Newfoundland and Labrador Tourism/ Greg Funnel/ Ezgi Polat

Im Sattel durch Stadtviertel Torontos

Ja, wir haben es eingangs gesagt: Kanadas Kommunen hinken radfahrermäßig hinterher! Doch natürlich gibt es Ausnahmen, und einige davon in Kanadas größter Stadt. In Torontos Stadtvierteln beispielsweise, den sogenannten Neighbourhoods, stieg die Zahl der radfahrenden Pendler allein 2017 um 30 Prozent. Das zwang die Stadt zum Bau eines die Hauptverkehrsadern begleitenden Radwegenetz, zuletzt auch an der als Shoppingmeile immer beliebteren Bloor Street zwischen Yorkville und Midtown.

Toronto mit dem Fahrrad entdecken
Johann Wall

Dabei ist die Realität in manchen Neighbourhoods jedoch schon weiter. Trendviertel wie Queen Street West, Ossington Avenue, Dundas Street West und Roncesvalles sind sehr  radfahrerfreundlich. Allein die hohe Dichte leicht erreichbarer Geschäfte, Restaurants und Kneipen lässt Einheimische wie Besucher gerne aufs Rad steigen. In Little Italy und Chinatown sieht es ähnlich aus. Torontonians, die Freunden von außerhalb die Schokoladenseiten ihrer Stadt zeigen wollen, radeln mit ihnen über die Toronto Islands, zu den  tollen Stadtblicken im Tommy Thompson Park und auf den Trails durch das Don Valley.

Links: Fröhliches Pärchen auf Fahrrad, Rechts: Pärchen vor de Skyline von Toronto auf den Toronto Islands
Destination Canada

Das könnte Dich auch interessieren