Stratford: Wo die Karriere des Justin Bieber begann

In der kanadischen Kleinstadt Stratford im ländlichen Süden von Ontario spielte Justin Bieber in Kindertagen Straßenmusik und legte damit den Grundstein seiner Karriere. Eine Spurensuche.

Von Jörg Michel

Auf diesen Stufen hat alles angefangen. Hier saß er mit seiner Gitarre und kindlicher Stimme und sang Popsongs rauf und runter. Zweihundert bis dreihundert Dollar hat er so als Straßenmusiker verdient. Sein erstes selbst verdientes Geld. Nicht wenige seiner späteren Fans haben ihn auf dieser Treppe zum ersten Mal gesehen und danach ihren Freunden und Bekannten von dem blonden Jungen erzählt. So hat seine Karriere begonnen.

Dort wo alles begann

Die Rede ist von Justin Bieber, Sänger, Musik-Idol und kanadischer Superstar. Aufgewachsen ist er in Stratford, einer Kleinstadt im Süden von Ontario, etwa zweieinhalb Stunden von Toronto entfernt. Ein Ort mit vielen Tankstellen, Fast-Food-Restaurants, Shopping-Malls, älteren Wohnsilos. Im Zentrum gibt es ein paar pittoreske Ladenzeilen, einen kleinen Stadtpark am Fluss, ein schmuckes Rathaus, ältere Klinkergebäude.

Stratford
Pete Spiro/Shutterstock.com

 

Wir aber stehen vor den Stufen des Avon-Theater, einem modernen Sandsteinbau mitten im Ort. Hier werden im Sommer regelmäßig Musicals aufgeführt, auch klassische Theaterstücke von William Shakespeare. Denn Stratford ist nicht nur die Heimatstadt von Justin Bieber, sondern auch Austragungsort von Kanadas bekanntestem Theater-Festival, das jedes Jahr mehr als 600.000 Besucher aus der ganzen Welt anzieht.

Die ersten Auftritte

Als sich Bieber hier vor dem Theater vor zehn Jahren sein Taschengeld verdiente, war er zwölf Jahre alt. Er trug einen Bubikopf und die Gitarre war noch viel zu groß für ihn.

Seiner Mutter habe er von dem ersten Geld einen Urlaub in Disneyworld bezahlt, erzählen die Menschen in Stratford.

Es ist eine Geschichte, die zeigt, dass man in seiner Heimatstadt kaum mit Biebers kometenhaften Aufstieg rechnete.

Wir begeben uns auf Spurensuche und finden einen Jugendclub in der Downie Street, in einer unscheinbaren Straße mit Imbissbuden und kleinen Geschäften. In den graffiti-besprühten Räumen hatte Bieber einst vor der Karaoke-Maschine gesessen und für einen lokalen Talentwettbewerb geübt. Kurz danach wurde er von seinem Manager Scooter Braun entdeckt und hatte einen Plattenvertrag in der Tasche, der ihn zum Millionär gemacht hat.

Nur ein paar Schritte weiter steht das Queen’s Inn, ein Hotel in einem älteren Klinkerbau mit einem roten Kunststoffbaldachin über dem Eingang. In diesem Hotel hatte Bieber als Jugendlicher seinen ersten öffentlichen Auftritt. Genauer gesagt im »Queen Victoria Room«, einem einfachen Saal mit Kronleuchtern aus Messing und schmalen Spiegeln an der Wand. Die kleine Bühne hat einen grünen Vorhang mit einem Blumenmuster.

Knapp fünfzig Zuhörer sollen bei Bibers erstem Auftritt dabei gewesen sein, an jenem Donnerstagabend im August 2007. Drei Lieder durfte der Junge damals singen im Vorprogramm einer Rockgruppe: »Respect« von Aretha Franklin, »Mama« von Boys to Men und »You got it bad« von Usher. Heute kann man den gefließten Raum anmieten für private Partys oder Hochzeiten. Die Nacht im Hotel ist ab 80 Dollar zu haben.

Das Städtchen

Denn Gründe für einen Besuch in Stratford gibt es auch wenn man kein Bieber-Fan ist. Der Ort zieht besonders Künstler, Schauspieler und Schriftsteller an. Beliebt ist auch die Schwanenparade, bei der einige der Vögel jedes Frühjahr von Musikern begleitet über die Hauptstraße in Richtung Fluss eskortiert werden. Es gibt hübsche Gärten, gastronomische Festivals und Geistertouren durch die historischen Stadtviertel aus den dreißiger Jahren.

Ken Wu

 

Bieber selbst hat Stratford längst den Rücken gekehrt. Vor Jahren schon ist er mit seiner Mutter in die USA gezogen. Doch ab und zu kommt er noch zu Besuch. Manchmal leiht er sich dann noch Instrumente aus im Long & McQuade, einem Musikladen im Zentrum der Stadt. Über der Eingangstür hängt eine braune Elektro-Gitarre, vom Star bei einer Probe persönlich signiert. Auf einem eigenen Bieber-Stadtplan kann man den Laden finden.

Der Bieber-Food-Tipp

Ach ja. Ein Lieblingsrestaurant hatte Justin Bieber auch in Stratford. So erzählen es jedenfalls die Leute im Ort. Nichts wie hin also. Madelyn’s Diner heißt der Laden, es ist ein unscheinbares Familienrestaurant am Ortsaussang. Die Fassade des Gebäudes ist mit Wellblech verziert. Die Leuchtreklame war abgefallen als wir dort waren. Auf dem Menü: Burger, Suppen, Salate und Sandwiches aller Art. Diner-Food eben.

 

Als wir das Restaurant betreten, riecht es nach Frittenfett. Wir halten Ausschau nach dem Tisch mit der Nummer fünf. Dort am Fenster soll der Superstar gern gesessen haben als er noch kein Superstar war, erzählt uns die Restaurantchefin. Was er dort gern verspeist hat? Lasst mal raten! Poutine natürlich, also Fritten mit überbackenem Käse und Bratensoße. Kanadischer geht es kaum.

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