Cannabis Blatt in Hand von junger Frau Canna Obscura/ Shutterstock.com

Kiffen in Kanada: Marihuana ist neuerdings legal

Als erstes Industrieland will Kanada Cannabis aus der Schmuddelecke holen – und hat Besitz sowie Gebraucht legalisiert.

Bill C-45. Das ist ein simpler Name für ein Gesetz mit Folgen: In Kanada ist Cannabis jetzt legal. Für alle Erwachsenen, nicht nur aus medizinischen Gründen. Das war es schon seit fast 20 Jahren. Nun aber darf jeder kiffen – 18 oder 19 Jahre alt sein muss er oder sie, je nach Provinz oder Territorium. Damit hat Premierminister Justin Trudeau eines seiner Wahlversprechen aus dem Jahr 2015 eingelöst. Das Parlament hat zugestimmt und auch die Königin von England hat ihren „Royal Assent“ gegeben. Das allerdings ist reine Formsache.

In der Medizin bereits legal

Wenn man so durch manche Stadt in Kanada spaziert ist, sind einem auch bislang schon immer wieder mal diese markant-süßlichen Wolken in die Nase gewandert. In den Szene-Vierteln von Toronto, Montréal oder Vancouver gehört Cannabis vor allem in der Nacht zum ganz normalen Duft einer Party. Doch auch an anderer Stelle ist diese „weiche“ Droge deutlich zu erschnüffeln. In der Stadt, auf dem Land. Das ist weder überraschend noch ist es unbedingt illegal – denn Marihuana war ja zumindest zu medizinischen Zwecken schon erlaubt.

Cannabis Pflanze
Esteban Lopez

Der Canada Day 2018 war somit für viele Befürworter dieses neuen Gesetzes ein guter Tag, denn am 1. Juli 2018 sind die Regelungen in Kraft getreten. Marihuana soll damit aus der Schmuddelecke gezogen werden – gleichzeitig wird heftig bestraft, wer Minderjährigen das Rauschmittel zugänglich macht: bis zu 14 Jahre Haft stehen darauf.

Was ist nun erlaubt, was nicht?

Allgemein gilt nun: Personen über 18 Jahren (in manchen Provinzen und Territorien 19 Jahren) dürfen bis zu 30 Gramm getrocknetes Cannabis besitzen. Auch für den Schmuck der Fensterbank ist das Gesetz dienlich: Erwachsene dürfen vier Pflanzen pro Haushalt anbauen. Blöd nur: jede einzelne von ihnen darf nicht größer als 100 Zentimeter werden. Legal ist es auch, die Blüten zu Lebensmitteln für den persönlichen Gebrauch zu verarbeiten. Wird ein Minderjähriger mit bis zu fünf Gramm Hasch gefunden, wird er registriert, aber nicht strafrechtlich verfolgt.

Cannabis Pflanze auf Schreibtisch
Alexandre Chambon

Sieht man also demnächst ein stilisiertes rotes Hanfblatt statt des Ahorns auf dem weißen Mittelstreifen der kanadischen Flagge? Sind die Straßencafés in den Städten und auf den Dörfern künftig voller bekiffter Menschen? Sieht man demnächst Werbung für das nächste High? Eher nicht – denn es geht ja gerade darum, den Reiz des Illegalen von dem Kraut zu nehmen. Und: Werbung ist zwar erlaubt, darf aber nicht in Richtung Lifestyle gehen.

Aber die Welt schaut schon in das zweitgrößte Land der Erde, das als erstes der G20-Staaten Marihuana landesweit legalisiert hat.

Kiffender Junge auf Parkbank
Itay Kabalo

Und eine Herausforderung wird sicher nicht einfacher für die Cops, die die Straßen bewachen: Fahrer aus dem Verkehr zu ziehen, die im Rausch unterwegs sind. Auch dafür gibt es eine Richtlinie, doch die wird etwas schwieriger umzusetzen sein als die Alkoholkontrolle: Die Obergrenze zur Verkehrsteilnahme liegt bei 2,5 Nanogramm Marihuana pro Milliliter Blut. Wer zum ersten Mal dagegen verstößt, muss mit einer Geldstrafe bis zu 1000 kanadischen Dollar rechnen – und damit, dass er seinen Führerschein bis zu einem Jahr abgeben muss.

Und für die Touristen?

Übrigens: Auch Ein- und Ausfuhr von Gras bleiben streng verboten. Doch für Touristen in Kanada gilt genau dasselbe wie für Einheimische. Der Besitz von bis zu 30 Gramm ist legal. Und da sieht mancher Touristiker schon ein neues Geschäftsfeld.

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